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Die Wiener Universität und ihre Gelehrten 1520 bis 1565
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dem canonischen Rechte, und zwar in solcher Weise, dasser, mit Ausnahme der medicinischen Facultät, in allen übrigendie höchsten akademischen Würden sich erwarb. 1 ) Dabeiunterhielt er einen lebhaften Verkehr mit namhaften Ge-lehrten seiner Zeit: zu seinen Freunden zählte er HeinrichLoritius aus Glarus, Joachim Watt aus St. Gallen, UlrichZwingli, vor Allen aber Erasmus von Rotterdam, der ihnnoch mehr von dem veralteten Scholasticismus abwendigmachte und für den Humanismus, das Studium der Kirchen-väter und die historische Theologie derselben gewann. 2 )

Frühzeitig schon war er in den Dominicanerorden ge-treten. 3 ) Nachdem er einige Jahre Pfarrvicar zu Lindauin der Constanzer Diöcesc gewesen, berief ihn der Bischofvon Basel als seinen Official in diese Stadt und verlieh ihmdaselbst ein Canonicat; jedoch kehrte er bald wieder inseine alte Diöcese zurück, wo ihn der Bischof zu seinemGeneralvicar in spiritualibus, Papst Leo X. aber zum apo-stolischen Protonotar ernannte (1518).

Damals begannen die ersten reformatorischen Bewe-gungen, hervorgerufen durch den ärgerlichen Ablasshandel.Faber gehörte zu den aufgeklärten Priestern seiner Zeit, dieeine kirchliche Reformation überhaupt für nöthig hielten,um manche Missbräuche abzustellen; 4 ) aber er wollte keines-

•) Conspect. p. 146: „Vir orat sciontiae omnigenae, doctrinae magnaeet virtutis. Artium per annos complures magister, deinde TheologiaoDoctor, ac in utroquo Jure excultus."

2 ) Seback a. a. O. nach dem Briefwechsel Faber's mit Erasmus.Horawitz, Erasmiana II (Sitzungsber. phil.-hist. Cl. der Wiener Akad.,XXV, S. 583).

3 ) Daher ist seine Lebensbeschreibung auch aufgenommen beiQuetif et Echard, Sdiptor. ordinis Praedicatorum. Paris 1719—1721, fol.,Tom. II. Vgl. öcriptor. univ. Vienn. II. 1 p. 51.

4 ) Meuser 1. c, S. 713: „Freisinnig, wie er noch gegen das Endeseines Lebens war, machte er auf Missbräuche des rümischen Hofes auf-merksam und begrüsste, wie so viele, seiner Zeitgenossen, das erste Auf-