Besprechen wir das Berührte im Einzelnen etwas näher.
Kaiser Maximilian hatte zu seinen Lebzeiten bei seineröfteren Abwesenheit aus seinen Erbländern auch für Nieder-österreich zur Besorgung der Geschäfte ein besonderes Re-giment errichtet und durch eine letztwillige Verfügungdemselben die Regierung übertragen, bis seine in Spanienbefindlichen Enkel im Lande angekommen wären oder ander-weitig verfügt hätten.
Bald nach dem Tode des Kaisers (12. Januar 1519)zeigten sich unruhige Bewegungen in Oesterreich. Die Ständeversammelten sich, beschlossen eine gemeinsame Abwehrgegen jeden Angriff und die Absendung einer Botschaft nachSpanien an die beiden Habsburger, die Enkel Maximilians,von welchen der ältere, Karl, als König bereits über diespanische Monarchie herrschte, der jüngere Bruder, der In-fant Ferdinand, als Erzherzog von Oesterreich nur Ansprüchehatte, ohne dass ihm ein bestimmtes Land als Erbe seinesGrossvaters zugewiesen war. König Karl aber betrachtetesich vorerst als alleinigen Erben aller österreichischen undanderen habsburgischen Länder und erliess an dieselbenseine Regierungsbefehle. Nachdem er aber 1520 die deutscheKaiserkrone empfangen hatte, trat er in den beiden folgen-den Jahren durch die Verträge von Worms und Brüssel dieRegierung der österreichischen Erbländer an seinen BruderFerdinand ab.
Dessenungeachtet konnten unruhige Bewegungen inNiederösterreich nicht verhindert werden. Es hatte sich beiden Ständen eine starke Opposition gegen die habsburgischeNachfolge und gegen das von Maximilian eingesetzte Re-giment erhoben: die Regentes mussten sich in Folge der Er-bitterung der Wiener nach Neustadt entfernen. An derSpitze der Aufrührer standen nicht nur einige Herren desAdels und der frühere Bürgermeister Johann Rinner miteiner Anzahl Bürger, sondern auch der gewesene Universitäts-