Druckschrift 
Theil 2 (1751)
Entstehung
Seite
16
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

i6

bet, so wird der Mörtel in denen Fugen verdorben,und die Mauer beschädiget.

Wann um einen Kuchengarten eine Mauer ge»führet wird/ so soll man die innere Seite, woranFruchtbämne gepfianzet werden,so viel möglich, ebenmachen / so, daß die Pfeiler auf dieser Seite aufshöchst«, nicht über vier Zoll herfüMiessen;und die-se,sollen an solchen Mauern an die man Pfersicheund Nettarinenbäumepflanzen will, vierzehen Schuhweit von einander stehen , so, daß jeder Baum ge,rad in die Mitte, zwischen zwey Pfeiler, gesetzetwerden könne, dieses macht sie nicht nur scheint,rer, sondern es ist aitch für die Baume besser. Woaber Apricosen, Pflaumen und Kirschen gepfianzetwerden sollen, dürffen die Pfeiler nur zehen Schuhvon einender stehen, und da können allezeit an demzweyten Pfeiler die Bäume gesetzet werden, so ha»ven sie Platz genug sich auszubreiten ; da auch dasGeländer so weit herausgehen kan als die Pfeiler,so können die Baumzweige nach der Ebene gezogenwerden. Wann aber die Pfeiler an der innernSeite deö Gartens nicht weiter herfür schiessen, somüssen sie, zu besserer Unterstützung der Mauer,aussenher stärcker gemacher werden.

Die gewöhnliche Dicke derer Gartenmauern, be,trägt, wann sie aus Ziegeln gemacher sind, dreyze-hen Zoll, oder anderthalb Ziegel; doch mus hier inAnsehung der Dicke auf die Proportion gesehenwerden: dann wann sie vierzehen Schuh hoch, oderhöher gemachst werden, wie öffters zu geschehenpfleget-, so mus der Grund derer Mauern wenig-stens dritthalb Ziegel dick seyn, und in gleicher Di-cke dem Boden gleich geführet werden; hernachnimmt man an jeder Seite um zwey Zoll ab,so,daßsie zwey Ziegelsteine dick seyen; vier Schuh über denBoden, kan die Dicke wieder an jeder Seite ver-ringert, und anderthalb Ziegel dick gemachet wer,den, und so fahret man fort bis an das obere Endeder Mauern. An diesen hohen Mauern müssenauch die Pfeiler nach Proportion stärcker gemachetwerden, als sie insgemein an niederigern Mauernsind : dann da die starcken Winde mehr daran stos-sen, so könnten sie, wann selbige nicht wohl gebauetwären, umgerissen werden. Diesemnach müssendie Pfeiler solcher Mauern hinten so lang, vornenaber so dick als ein Ziegelstein herfürschiessen, undwann man sie zehen bis zwölf ^chuh weit von ein-ander aufführet, so machen sie die Mauern vieldauerhaffter.

Es ist aber nicht nöthig die Mauern höher alsneun oder zehen Schuh aufzuführen, ausgenommenvor Birnbäume, welche wann sie recht gewartetwerden, sich an denen Mauern in einen grossen Be-zirck ausbreiten; da aber nur allein einige winrer,dirn die Beyhülffe einer Mauer erfordern, so darfnur derjenige Theil der Mauer, wo sie stehen sollenhöher gebauet werden: dann die Pfersiche und Ne-ctarinen haben niemalen , wann sie recht gewartetwerden, einer mehr als neun oder zehen Schuh ho,hen Mauer nöthig, und macht man selbige höher,so bleibt der untere Theil der Mauer von fruchttra-genden Zweigen leer. Ob auch schon die Aprico-sen. Pflaumen und Kirschen öffters höher wachsen,so bedecken sie doch nicht bald eme Mauer von die-ser Höhe, wann sie in schicklicher Weite gepflanzet,und ihre Aeste, vom Boden an, horizontal gezogenwerden. Den Weinstock aber kan man so niedrighalten > als nur immer eine andere Fruchtsorte:dannwann sie an niedrigen Mauern stehen , so müssensie einigermassen eben so wie in denen Weinbergenlracmtt werden, da MN nämlich das meiste Holj

so im vorigen Jahr getragen ausschneidet, und neueSchossen hineinziehet, die im nächsten Jahr tragensollen, und welche man selten einer Elle (V»rä) langlässt; so , daß sie also keiner sehr hohen Mauernnöthig haben.

Wann die Birnbäume, welche man einsetzenwill, sudwestwärts gepfianzet werden, in welcherLage ihre Früchte sehr wohl reisten, so mus zu die-ser Lage die Mauer vierzehen Schuh hoch und hö-her ge'bauet werden: dann da sich diese Bäume sehrstarck ausbreiten, wann sie auf Wildlinge gepropf-fet sind, so dürffen sie nicht beschnitten und in ihremWachstum gehindert werden , weil sie solches amTragen hindern würde, und verursachet, daß sie sehrviele grosse, freche Schossen treiben , die niemalenFrucht tragen. Daher soll man sie niemglen unterandere Fruchtbäume setzen, die kleiner wachsen,weil die Mauer alsdann ein sehr schlechtes Anse-hen haben mus, wann Bäume an ihr gepfianzetsind, die noch einmal so weit von einander stehen,als andere, so, daß es keine andere Fruchtsortegiebt die zur Zeitigung die Beyhülffe der Mauerbrauchet, welche so viel Platz sich auszubreiten nö-thig hätte, als die Birn, es müssten dann die Fei,gen seyn, von welchen etliche Baume an die nämli,chen Mauern gesetzet werden mögen, wann Platzda ist, wiewohl sie an die hintern Mauern dererStalle, wo es thunlich, gepfianzet werden können;weil die Bedienten diese Frucht selten lieben; da sieauch hier an einem Ort stehen,wo es immer unruhigist, so werden sie von denen Vögeln nicht so ver-dorben, als an stillern Orten. Jedoch ich will nun-mehr einen Unterricht geben wie Treibmauern zubauen seyen, durch welche dieZeitigung derer Früch-te befördert wird, und die nun in tLngeland garsehr im Gebrauch sind.

In einigen Orten werden diese Mauern miigrossen Unkosten gebauet, und so eingerichtet, daßsie viel Feuer brauchen; wann man sie aber mit Ver-stand bauet, so sind die ersten Unkosten lange nichtso gros, und mit der Feuerung wird es auch nichtso viel zu sagen haben; weil es nicht nöthig ist, län-ger als zwey Monate, oder aufs höchste zehen Wo-chen Feuer zu halten, indem man nämlich um di»Mitte des Januar» anfängt, und mit Anfang deSAprils aufhöret,da man keines Feuers mehr nöthighat, wann die Fenster alle Nächte, oder in schlim-men Wetter, wohl verschlossen gehalten werden.Dann wann bey dieser Jahrszeit die Sonne nureine halbe Stunde auf die Fenster scheinet, so wirddie in ihnen eingeschlossene Lufft genug, für dasWachstum einiger europäischen Fruchte, er-wärmet.

Es giebt Leute welche Weinreben und andereFruchtbäume an die Seiten derer Glashauser pflan-zen, und einige Zweige derselben ins Glashaus hin-einziehen, um frühe Früchte zu erhalten ; allein«?dieses ist gar nicht recht: dann wann das Glashausfür Ananas gehöret, so mus für diese die Lufft vielwärmer gehalten werden, als es andere Früchte erfor-dern,so,daß sie niemalen gut beysammen thun; weil,wann man genügsame Lufft hinein lässt, um der an-dern Frucht ihr Wachstum zu befördern, die Ana-nas aus Mangel nöthiger Hitze daraufgehen; hältman aber im Gegentheil das GlaShausso warm alses die Ananas haben wollen, so ist es für die Fruchtzu warm. Daher ist es also besser die Weinrebenan einer besondern Mauer alleine zu haben,weil siemehr Lufft haben wollen. Wann sie treiben,so sinddie Pfersiche und Neetarinen bereits schön, so, daßes also besser sie von einander abzusondern.