Podophyllum.
687
Unterseite in der Achsel von Niederblättern weitere Knospen, von denen sich gewöhnlichnur eine entwickelt, die das Rhizom weiterführt.
Auf dem Querschnitt unterscheidetman ein grosses Mark, einen unregel-mässigen Kreis von Holzbündeln, unter-brochen durch die Markstrahlen und einedicke Binde.
Zu äusserst lässt der Querschnittunter dem Mikroskop die Epidermis oder •eine dünne Korkschicht erkennen unddarunter Kollenchym. Im Parenchym, inden. Markstrahlen und im Mark Stärkein einzelnen und zusammengesetztenKörnchen, sowie, besonders im Mark,
Oxalatdrusen. In den Gefässbündeln istoft je ein Faserbündel vorgelagert. Geschmack schleimig-bitter.
Bestandtheile. Podophyllotoxin C 20 H l5 O 6 fOCH 3 ) 3 -2H 2 O, amorph, von weisserbis hellgelblicher Farbe und intensiv bitterem Geschmack, wird mit koncentrirter Schwefel-säure kirschroth, dann grünblau, endlich violett; Schmelzpunkt 95°C., es ist der Haupt-träger der Wirksamkeit. Dem Podophyllotoxin isomer ist das Pikropodophyllin, das eben-falls in der Droge vorhanden ist, aber auch aus dem Podophyllotoxin durch Behandeln mitAmmoniak entsteht. Schmelzpunkt 227° C. Pikropodophyllinsäure, eine braune, harzige,in Aether und Petroläther unlösliche Substanz. Schmelzpunkt 156—158° C. Podophyllo-quercetin, krystallinisch, schmilzt bei 247—250° C., wird mit Eisenchlorid dunkelgrün.Formel C 23 H, 6 0 10 . — Die genannten Bestandtheile mit anderen harzartigen Körpern sindin der Droge etwa zu 5,9 Proc. enthalten, darin 33,8 Proc. Podophyllin (s. d.).
Einsammlung. Aufbewahrung. Man pflegt das Bhizom im August zusammeln, doch soll es im März und April am reichsten an Podophyllin sein. Man be-wahrt es getrocknet, ganz oder gepulvert, unter den starkwirkenden Arzneimitteln auf.Beim Pulvern Schutzmaske anlegen!
Anwendung. Als Abführmittel zu 0,5—1,0—1,5 g, als Brechmittel zu 1,5—2,0—2,5 g,doch giebt man dem Podophyllin gewöhnlich den Vorzug.
-j- Extractum Podophylli (U-St.). Extract of Podophyllum. Aus 1000 g ge-pulvertem Bhizom (No. 60) und q. 9. einer Mischung aus 800 ccm Weingeist (91 proc.)und 200 ccm Wasser; man befeuchtet mit 300 ccm, erschöpft im Perkolator, zieht denWeingeist ab und verdampft zur Pillenkonsistenz.
f Extractum Podophylli fluidum (U-St.). Fluid Extract of Podophyllum. Wievoriges, doch fängt man die ersten 850 ccm Perkolat für sich auf und bereitet 1. a. 1000 ccmFluidextrakt.
f Extractum Podophylli chloroformicum, Podophyllotoxin erhält man durchErschöpfen der Droge mit Chloroform und Verdunsten des Lösungsmittels, siehe auchunter Podophyllin.
f Podophyllinum (Germ. Helv.). Besina Podophylli (Brit. U-St.). ReginaPodophylli peltati. — Podophyllin. Vegetabilischer Kalomel. — Resine de Podo-phylluin peltatum (Gall.). — Resin of Podophyllum or May apple.
Während Germ, und Helv. sich mit der allgemeinen Angabe begnügen, dass mandas Podophyllin aus dem weingeistigen Auszuge der Wurzel mittels Wasser abscheidet,geben die übrigen Arzneibücher ausführliche Bercitungsvorschriften. Brit.: 400 g ge-pulvertes Rhizom (No. 40) erschöpft man mittels 1500 ccm Weingeist (90 vol. Proc.) imVerdrängungswege, destillirt den Weingeist ab, giesst den Rückstand unter Umrühren indas dreifache Volum Wasser, das mit 1 / S!1 seines Gewichts Salzsäure vermischt ist, lässt24 Stunden absetzen, wäscht den Niederschlag mit destillirtem Wasser und trocknet beihöchstens 37,7° C. — U-St.: 1000 g gepulvertes Rhizom (No. 60) perkolirt man mit q. s.91 proc. Weingeist (zum Befeuchten 480 ccm), bis 1600 ccm Auszug gesammelt sind (dasAbtropfende darf sich mit Wasser nur noch schwach trüben), zieht den Weingeist ab,giesst den sirupdicken Rückstand unter Umrühren in eine auf 10° C. abgekühlte Mischungaus 10 ccm Salzsäure und 1000 ccm Wasser, wäscht den Niederschlag zweimal mit kaltem
Poä. p.
Fig. 83. Rhizoma Podophylli. u Unterseite, o Oberseite.
dem Phloem, sowie der Innenseite des Xylems