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3 (1899) Die Choristopetalen. 2
Entstehung
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werden zu Deckblättern von einzelnen weiblichen Blüthen. Sie bilden um dieselbe eine Scheide, derenRänder sich übergreifen und zwar so, dass beide gegenwendig gerollt sind. Diese Scheide ist länger alsder Fruchtknoten, an der Seite offen, sie wird von den Griffeln überragt, ist krautig und aussen behaart;bisweilen fehlt die eine Blüthe, seltener sind beide Bliithen nicht entwickelt. Die Blüthenhülle istausserordentlich zarthäutig, becherförmig, gestutzt und liegt dem Fruchtknoten eng an; sie soll manchmalfehlen. Der Fruchtknoten ist eiförmig, zusammengedrückt und umscliliesst eine einzige, hängende,anatrope Samenanlage. Die zwei fadenförmigen, parallel aneinander liegenden Griffel enden in lange, zu-gespitzte und papillöse Narben; nach der Befruchtung fallen sie schnell ab, erfolgt aber dieselbe nicht,so wachsen sie etwas aus uud bleiben länger erhalten. Gewöhnlich sind die Geschlechter auf verschiedenePflanzen vertheilt, es giebt aber auch solche, welche beide Geschlechter und dann unten die männlichenBlüthen enthalten; solche einhäusige Pflanzen zeigen in der weiblichen Region nicht die üppige Blatt-bildung an den Mitteltrieben und sehen desswegen weniger buschig als die rein weiblichen Exemplare aus.

Die Frucht wird von dem sich vergrössernden Deckblatt eingeschlossen, das aussen stärker behaartund reichlicher mit Drüsenköpfchen bekleidet ist; sie ist ein ellipsoidisches, schwach zusammengedrücktes,von einem einseitigen Kiel umzogenes Nüsschen, das von der kaum sichtbaren Blüthenhülle am Grundeumfasst wird; es ist gelblichgrau, glatt und kahl.

Der Same hat die Form der Frucht, die Schale ist grün; der Keimling ist hufeisenartig gekrümmt,zwischen den flachen Keimblättern und den Würzelchen liegt das Nährgewebe.

Der Hanf ist in wildem Zustande in Sibirien, am Irtysch, südlich vom Baikal-See, in Dahurien (Gou-vernement Irkutzk) gefunden worden, dürfte aber auch in Centrai-Asien heimisch sein; gegenwärtig wirder in den gemässigten Gegenden der ganzen Erde als Faserpflanze gebaut. In den wärmeren Gegendenbleibt er klein und giebt keine spinnbare Faser mehr, wird aber sehr reich an narkotischem Bestandtheilund desswegen gebaut.

Die technisch wichtige Pflanze liefert eine vorzügliche Gespinnstfaser. Die Frucht kommt als Hanf-samen in den Handel und wird wohl auch noch in den Apotheken als Fructus oder Semen Cannabis ge-führt. Die Sprossspitzen und Blätter einer indischen Spielart der Pflanze werden als Herba Cannabisindicae medicinisch angewandt, in der arabischen Sprache als Haschisch bezeichnet.

Erklärung der Abbildungen.

Ein Zweigstück der männlichen Pflanze.

Ein Zweig der weiblichen Pflanze, beide nach einemverwilderten Exemplare.

Fig. C. Die männliche Blüthenknospe, 5 mal vergrössert:a. Blüthenhülle.

Die männliche Blüthe: b. Staubgefäss.Das Staubgefäss, von innen und von der Seite,noch geschlossen, 7mal vergrössert.

Dasselbe, aufgesprungen,u. H. Pollenkörner, trocken und in Wasser, 200 malvergrössert.

Fig. I. Ein einfaches und ein Köpfchenhaar.

Fig. A.Fig. B.

Fig. D.Fig. JE.

Fig. F.Fig. G

Fig. K u. L. Die weibliche Blüthe, 15mal vergrössert: c. Neben-blatt des Deckblattes des ganzen Achselsprosses;d. Deckblatt der Blüthe (Scheide); g. Narben.

Fig. M. Dieselbe, nach Entfernung des Deckblattes: e. Blü-thenhülle;/. Fruchtknoten.

Fig. N. Der Fruchtknoten, 18mal vergrössert: h. Samen-anlage.

Fig. O. Die Frucht mit Deckblatt, natürliche Grösse.

Fig. P. Dieselbe, 3mal vergrössert: i. die Frucht.

Fig. Q u. R. Die Frucht von der Seite und vom Rücken gesehen.

Fig. S u. T. Dieselbe im Quer- nnd Längsschnitte: k. dasWürzelchen; l. die Keimblätter.

Berg u. Schmidt, Officinelle Gewächse. III.

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