Druckschrift 
1 (1847)
Entstehung
Seite
698
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FERRUM CYANATUM.

Zusätze von Eisen , so lange geglüht werden, bis die flatternden Flammen auf-hören , worauf die Masse aus dem Feuer genommen, wohl bedeckt und abge-kühlt wird. Man übergiesst sie darauf mit Wasser, welches sowohl einen Theilunveränderten Kali's, als auch eine nicht unbedeutende Menge gebildeten Eisen-cyankaliums auflöst. Mit dieser Auflösung präcipitirt man eine mit Alaun ver-mischte Auflösung von Eisenvitriol, wodurch ein blauer Niederschlag erhaltenwird, dessen Farbenhöhe von dem ungleichen Ueberschusse an unverändertemKali in der Lauge, von dem verschiedenen Zusätze von Alaun und von der Oxy-dationsstufe des Eisens im aufgelösten Vitriol abhangt. Der Zusatz von Alaungeschieht deswegen, damit das freie Kali nicht gelbes Eisenoxyd, wodurch dieFarbe des Niederschlages grün wird, sondern lieber Thonerde niederschlage, welcheder Farbe des Niederschlages nicht so nachtheilig ist. Der Zusatz von Alaunist also eigentlich als eine Verfälschung anzusehen, und er ist die Ursache, dassdas im Handel vorkommende Berlinerblau von so verschiedener Farbe ist. Diehöchste Güte des Fabrikats wird daher dadurch erreicht, dass man den Alaunweglässt, dem erhaltenen blaugrünen Niederschlage aber durch verdünnte Schwe-fel- oder Salzsäure das mit niedergeschlagene Eisenoxyd entzieht.

Das zum medicinischen Gebrauche bestimmte Berlinerblau muss aber- ausreinen Materialien bereitet und aus einer verdünnten Auflösung des reinen Ei-senchlorids oder des schwefelsauren oder salpetersauren Eisenoxyds durch rei-nes Kaliumeisencyanür gefällt werden. Man wählt hierzu gewöhnlich das schwe-felsaure Eisenoxyd und bereitet sich dasselbe auf folgende Weise. Beines schwe-felsaures Eisenoxydul wird in Wasser aufgelöst und auf 17 Th. Salz mit 3 Th.concentrirter Schwefelsäure vermischt, bis zum Kochen erhitzt und mit kleinenPortionen Salpetersäure gemischt, so lange eine Gasentwickelung stattfindet.Die Zumischung von Schwefelsäure ist deswegen nöthig, weil das schwefelsaureEisenoxyd, in welches das schwefelsaure Eisenoxydul durch die Salpetersäureunter Mitwirkung der Wärme verwandelt wird, mehr Schwefelsäure erfordert,als in dem Oxydulsalze enthalten war. Wenn nämlich 2 Aeq. krystallisirtesschwefelsaures Eisenoxydul, 2FeS5 =(1738,5X2) 3477, durch Aufnahme von

1 Aeq. Sauerstoff in schwefelsaures Eisenoxyd, EeS 3 , übergehen sollen, so mussihnen noch 1 Aeq. Schwefelsäurehydrat, = GI3,S, zugemischt werden, also auf34,77 Th. krystallisirtes Salz 613,5 Th. Saure, oder auf 17 Th. des ersteren3 Th. des letzteren; 3477 : 613,5 = 17 : 3.

Ueber die Zusammensetzung des Berlinerblaus ist man lange ungewiss ge-wesen. Proust zeigte zuerst, dass zur Bildung desselben eine Verbindung voncyanwasserstoffsaurem Eisenoxydul mit cyanwasserstofl'saurem Eisenoxyd nöthigsei, so dass es also nach der Hypothese von cyanwasserstoffsauren Salzen alsein Doppelsalz dieser beiden Oxyde zu betrachten ist. Da wir aber dergleichenwasserstoffsaure Salze nicht annehmen, sondern als Halo'idsalze, d. h. als salz-artige Verbindungen der elementaren Stoffe mit den Salzbildern, Fluor, Chlor,Brom, Jod, Cyan u. s. w. betrachten, so müssen wir auch das Berlinerblau als einDoppelhaloidsalz ansehen, bestehend aus Eisencyanür (Verbindung des metalli-schen Eisens mit Cyan, entsprechend dem cyanwasserstoffsauren Eisenoxydui)und aus Eisencyanid (Verbindung des metallischen Eisens mit Cyan , entspre-chend dem cyanwasserstoffsauren Eisenoxyd). Wenn zu Kaliumeisencyanür eineneutrale Auflösung von Eisenchlorid (salzsaurem Eisenoxyd) oder salpetersauremoder schwefelsaurem Eisenoxyd gemischt wird, so fällt Berlinerblau zu Bodenund die Neutralität der Flüssigkeit wird nicht geändert, so lange nicht ein Ue-berschuss des Eisensalzes hinzugekommen ist. Das im Kaliumeisencyanür an dasCyan gebundene Kalium verbindet sich im ersteren Falle wegen näherer Yer-