684
FEL TAURI.
■
C 4 H 7 N-0 10 angegeben, wonach es 63 Proc. Sauerstoff enthalten musste. Diesergrosse Sauerstoffgehalt, bei einem so wenig veränderlichen Körper eine auffal-lende Erscheinung, veranlasste Redtexbacher (a. a. 0.), das Taurin einer noch-maligen genauen chemischen Untersuchung zu unterwerfen, welche denn auchlehrte, dass das Taurin viel Schwefel enthalte. Seine wahre Zusammensetzungist nämlich: C 4 H 7 NS 2 0 6 = 1062,5; Kohlenstoff 19,2, Wasserstoff 5,6, Stickstoff11,2, Schwefel 25,6, Sauerstoff 38,4.
Cholsäure. Dieselbe wird durch Kochen der Galle mit Kalilauge erhal-ten, welches 0 bis 8 Stunden fortgesetzt werden muss, so lange sich der un-angenehme Geruch nach aus thierischen Substanzen erzeugtem Ammoniak ent-wickelt. Das entstandene cholsäure Kali wird durch Essigsäure zerlegt. DieCholsäure ist farblos, durchsichtig, leicht löslich in Alkohol und Aether, unlös-lich in Wasser; die Lösungen röthen Lackmus und zersetzen kohlensaure Alka-lien unter Aufbrausen. Sie ist nicht flüchtig, brennt mit russender Flamme un-ter Hinterlassung eines kohligen Rückstandes, schmeckt sehr bitter, aber derGalle nicht ähnlich.
Es ist nicht selten in ärztlicher Beziehung von Wichtigkeit, die Frage mit\ ölliger Sicherheit beantworten zu können, ob bei einem krankhaften Zustandedes Organismus in thierischen Flüssigkeiten, wie Harn, Serum u. s. w., Galleenthalten sei? Bei den Farbstoffen der Galle ist bereits die Prüfung hierauf mitSalpetersäure angegeben worden, um durch die entstehenden Farbcnnüancirun-gen den Farbestoff der Galle erkennen zu können. Man nahm nun dabei an,dass, wo Gallcnfarbestoff vorkomme, auch der Hauptbestandtheil der Galle, dasgallensaure Natron, vorhanden sein müsse. Dass dem aber nicht immer so sei,ersieht man schon daraus, dass der Gallenfarbesloff mit den Faeces entleert, dieGalle selbst aber resorbirt wird. Diese wird aber durch das von Pette.vkofeb.beobachtete charakteristische Verhalten der Gallensäure (siehe oben) mit Sicherheiterkannt. Man schütte also einen kleinen Theil der auf Galle zu prüfenden Flüs-sigkeit in ein Probirgläschen, setze englische Schwefelsäure, etwa % des Flüs-sigkeitsvolums, tropfenweise hinzu, wobei sich die Temperatur bedeutend er-höht. Das Zusetzen der Schwefelsäure geschehe jedoch so langsam, dass sichdas Gemenge nicht viel über 62,5° C. = 50° R. erwärmt, weil sonst die Gal-lcnsäurc zu weit umgewandelt wird. Hierauf bringe man 2 — 3 Tropfen einerLösung gewöhnlichen Rohrzuckers, die auf 1 Th. Zucker i —5 Th. Wasser ent-hält, hinzu und schüttle die ganze Flüssigkeit.
War Gallensäre, <J. h. Galle, vorhanden, so wird die violettrothe Färbung, nachVerhältniss der vorhandenen Galle, stärker oder schwächer hervortreten. Hatman in festen oder breiartigen Massen Galle zu suchen, so kann man diese mitWeingeist ausziehen, den Auszug bis zu einem kleinen Volumen abdampfen unddann wie vorhin behandeln. Man darf nicht zu viel Zucker zusetzen, weil sonstdie Farbe schwarzbraun wird. Enthält die zu prüfende Flüssigkeit Eiweiss, soist es rathsam, dasselbe durch Coagulation zu entfernen, obwohl nur in sehreoncentrirtem Zustande und beim Erhitzen mit Schwefelsäure und Zucker eineahnliche Färbung hervortriff. Enthält die Flüssigkeit sehr wenig Galle, so kannman sie im Wasserbade abdampfen, mit Weingeist ausziehen, den Auszug ab-dampfen und wie vorhin verfahren. Man kann diesen Auszug im halbweichenZustande in ein Uhrglas bringen, nach dem völligen Erkalten mittelst eines Glas-stabes Schwefelsäure und sehr wenig Zuckerlösung zusetzen, und es stellt sichsicher, wenn man das Gemisch einige Minuten ruhig stehen lässt, die Färbungein, wenn auch nur eine Spur von Galle vorhanden gewesen ist. Die Stelle desRohrzuckers kann auch durch Traubenzucker, Stärkemehl und alle jene Sub-