Druckschrift 
1 (1847)
Entstehung
Seite
674
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

674

FEL TAURI

Fei Tauri. Ochsengalle.

(Fei Tauri inspissatum. Eingedickte Ochsengalle)

Frische Ochsengalle werde erwärmt, durch Leinwand colirt, undin einem porzellanenen Gßlasse im Dampfbade (bei einer Wärme von50 bis 60° C. = 40 bis 48° R.) unter fortwährendem Umrühren biszur Dicke des Wermuthextracts abgedampft.

Es sei von bräunlich grüner Farbe, und in Wasser mit klarer grün-lieber Auflösung löslich.

Die Galle wird in der Leber bereitet, und ausser der Verdauungszeit vonder Gallenblase, in welcher sie sich.ansammelt, aufgenommen, während derVerdauung aber durch einen eigenen Gang, der sich hinter einer Falte befindet,welche, so lange der Darm leer ist, über der Oeffnung hegend, diese verschliesst,und sich erst, wenn der Darm von der durchgehenden Masse des Speisebreiesetwas ausgespannt wird, öffnet, unmittelbar in den Darm ergossen und hierdem Speisebreie beigemischt. Die Galle ist grün, vom Gelblichgrünen bis insStnaragdgrUne, von eigenem widerlichen Gerüche und bitterem Geschmacke.Die Galle aus der Gallenblase ist durch aufgelösten Gallenblasenschleim schleimig,so dass sie sich nicht selten in Faden ziehen lässt. Bei den Säugethieren hatsie denselben oder fast denselben Wassergehalt, wie das Blutwasser, bei denVögeln aber ist sie dünner, und bei den Fischen zuweilen concentrirter. Spec.Gew. der Ochsengalle, nach Thexahd, bei + 6° C. = 4,8" R. = 1,026. Siegerinnt nicht beim Kochen.

Die Galle ist Gegenstand vielfacher Untersuchungen gewesen. Die Eigen-schaft derselben, beim Schütteln zu schäumen und durch Säuren gefällt zu wer-den , führte auf die Ansicht, dass die Galle eine seifenartige Verbindung vonAlkali mit einem harzartigen Körper sei, der durch die Säure abgeschieden werde,weil derselbe sich in Alkohol, nicht in Wasser, auflöslich zeigte. Im Jahre 1807stellte Berzelius die erste ausführliche Analyse der Galle an, und zeigte, dassdie durch Schwefelsäure aus der Galle gefällte harzartige Substanz, nachdemvorher aus der Gulle der Gallenblasenschleim durch Essigsäure, die nachherkeine Fällung weiter hervorbringt, entfernt worden war, zwar in der einenUeberschuss von Schwefelsäure oder einer andern Mineralsäure enthaltendenFlüssigkeit unlöslich sei, dass dieselbe aber, wenn ihr durch Digestion mit koh-lensaurem Baryt oder kohlensaurem Bleioxyde die Schwefelsäure entzogen wor-den , wieder in Wasser löslich werde mit dem gewöhnlichen Gerüche und Ge-schmacke der Galle. Diese bittere Substanz bezeichnete Beiizelius als den haupt-sächlichsten Bestandtheil der Galle und nannte sie Gallonstoff.

Bald darauf unternahm Thenard die Analyse der Galle nach einer andernMethode. Die Galle wurde mit wenig verdünnter Salpetersäure vermischt, dieFlüssigkeit von dem Niederschlage abfiltrirt, und ein Gemenge von neutralemund von basischem essigsauren Bleioxyde so lange hinzugemischt, als noch einNiederschlag entstand. Dieser bildete eine pflasterähnliche Masse, welche mitWasser gut ausgewaschen, und woraus nachher durch Salpetersäure das Blei-oxyd ausgezogen wurde. Es blieb ein grüner harzartiger Körper zurück, derin Alkohol löslich, in Wasser wenig löslich war, und welchen Thenard Gallen-harz nannte. Die von dem Niederschlage abfiltrirte Flüssigkeit wurde hieraufso lange mit Bleiessig vermischt, als noch ein Niederschlag entstand, welcherzwar dem ersteren ähnlich, aber gelb und weicher war. Er wurde in verdünn-