Druckschrift 
1 (1847)
Entstehung
Seite
645
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

*>

EXTRA.CTA.

645

gegeben wurde, wo es als das heftigste drastische Purgirmittel wirkt, wird jetztnur noch äusserlich gebraucht, als Pulver, häufiger als Tinctur.

Von Euphorbia Lathyris (PI. med. 137.) waren sonst die Samen offlcinell,unter dem Namen Springkörner, Purgirkörner [Semen Cataputiae minoris); derGeschmack derselben ist anfangs mild und süsslich , wird aber hinterher sehrscharf und beissend. Auch bei dieser Pflanze enthalten alle Theile im frischenZustande einen sehr scharfen atzenden Milchsaft.

Extraeta. Extracte.

ß

* x

Extracte sind im Allgemeinen die bis zur Consistenz eines steifen Honigsabgedampften Auszüge aus den Heilstoffen, deren wirksame Bestandtheile imconcentrirten und leicht auflösbaren Zustande aufbewahrt werden sollen. Extractesollen die wirksamen Bestandtheile der Heilmittel aus dem organischen Reichein dem kleinsten Volumen enthalten, die Zubereitung der Extracte muss alsoauf eine solche Weise geschehen, dass sie wirklich dem Zwecke entsprechen,dass sie die wirksamen Theile der Stoffe auch möglichst unverändert enthalten.Es leuchtet also ein, dass die Extracte zu den wichtigsten pharmaceutischenZubereitungen gehören, welche mit vollem Rechte die Aufmerksamkeit verdienen,die ihnen besonders in neuerer Zeit zu Theil geworden ist.

Um wirksame Extracte zu bereiten, haben wir, vorausgesetzt, dass die derExtractbereitung zu unterwerfenden Stoffe selbst von der gehörigen Güte sind,folgende zwei Hauptbedingungen zu erfüllen:

A) Dass die Ausziehung der Stoffe auf eine zweckmässigeWeise geschehe, dass demnach der gewonnene Auszug die wirksamen Be-standtheile der Stoffe wirklich, aber auch in einem möglichst unverändertenZustande enthalte, und dass er eine solche Beschaffenheit habe, welche der Er-füllung der zweiten Bedingung nicht hinderlich ist.

B) Dass die Verdunstung der Auszüge auf eine solche Weisegeschehe, dass die in dem gewonnenen Auszuge enthaltenen wirksamen Be-standtheile der Heilstofle weder mit verflüchtigt werden, noch eine wesentlichechemische Veränderung erleiden.

A) Die Ausziehung der Stoffe muss auf eine zweckmassigeWeise geschehen, damit der gewonnene Auszug die wirksamen Bestandtheilewirklich, aber auch in einem möglichst unveränderten Zustande enthalte, unddass er eine solche Beschaffenheit besitze, welche der Verdunstung nicht hin-derlich ist.

Zur Erfüllung dieser Bedingung müssen wir

1) ein für den Heilstoff, aus welchem ein Extract bereitet werden soll, pas-sendes Auflösungsmittel wählen. Die medicinischen Extracte werden fast nuraus vegetabilischen Heilmitteln bereitet, und für diese ist das allgemeine Auf-lösungsmittel, das Wasser, auch im Allgemeinen das passendste Ausziehuugs-mittel. Die chemische Analyse hat jedoch gelehrt, dass verschiedene Bestand-theile der Vegetabilien, die zu den sehr wirksamen gehören, entweder gar nicht,oder nur sehr wenig in Wasser, dagegen sehr leicht in Weingeist auflöslich sind:wir werden also in denjenigen Fällen, wo aus vegetabilischen Heilmitteln, diesolche in Wasser unlösliche, in Weingeist aber auflösliche wirksame Bestandtheileenthalten, Extracte bereitet werden sollen, auch den Weingeist als Ausziehungs-mittel anwenden müssen. Es sind aber auch keinesweges alle in Wasser auflös-licheu Bestandtheile der Vegetabilien zu den arzneilich wirksamen zu zählen,sondern in sehr vielen Fällen nur die in Wasser und Weingeist zugleich lös-

>

I

i