Druckschrift 
1 (1890)
Seite
17
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Chemische Untersuchungen über die Vegetation.

17

§ 3.Von dem Einflnss des Lichtes auf die Keimung.

Senebier ist der erste Naturforscher gewesen, welcher sich ge-zwungen sah zuzugeben, dass das Licht der Keimung schädlichist. [22] Diese Ansicht ist durch die vergleichenden Untersuchun-gen, welche Ingenhousz im Schatten und in der Sonne angestellthat, bestätigt worden, sie war es vielleicht schon durch den Ge-brauch der Gärtner, die es vortheilhaft fanden, ihre Saaten vorder directen Wirkung der Sonnenstrahlen zu schützen.

Es bleibt zu entscheiden , ob die schädliche Wirkung diesesGestirns seiner Wärme, welche die Pflanze zerstören könnte, oderdem Lichte an sich zuzuschreiben ist.

Man hat geglaubt, hier den Einfluss des Lichtes annehmenzu müssen. da die vergleichenden Untersuchungen im Dunkelnund im Sonnenlicht gemäss den Angaben des Thermometers beigleicher Temperatur angestellt worden sind. Allein man mussbedenken, dass, wenn dies Instrument unter einem Recipientenin die die Samen umgebende Luft gebracht wird, es nicht diewirkliche Wärme, welche diese auf ihrer Oberfläche in Folgeder Einwirkung der Sonnenstrahlen aufweisen, anzeigt. DieseWärme wird so schnell durch die umgebenden Körper ver-theilt, dass sie unseren Instrumenten entgeht. Sie steigt viel-leicht, wie das von Rumfordt") beobachtet hat, bis zur Glüh-hitze. Das Pflänzchen aber muss um so mehr davon berührtwerden, als seine Organe auf einem kleinen Räume vereinigtsind, je weniger es transpirirt, und je weniger Kohlensäure es zer-setzt.*^) [23] Nun beweist aber das Experiment, dass die jungenPflanzen um so weniger transpiriren, je weniger sie entwickeltsind; es beweist auch, dass die jungen Blätter bei gleichem Vo-lumen weniger kohlensaures Gas zersetzen als die erwachsenen.

Ich versuchte, zu gleicher Zeit genau gewogene Samen unterzwei gleichen Recipienten, von denen der eine undurchsichtig,der andere vollkommen durchsichtig war, keimen zu lassen:unter diesem letzteren erhielten sie jedoch nur diffuses Sonnen-licht, wie es durch eine dichte Wolkenschicht zu uns gelangt. DieTemperatur war nach den Angaben eines sehr empfindlichen

'*) Essais politiques, economiques et philosophiques, T. 2 p. 273.**) Die Zersetzung des kohlensauren Gases muss Kälte hervor-rufen, da ihre Bildung Wärme liefert.

Ostwald's Klassiker. 15. 2