Chemische Untersuchungen über die Vegetation.
Erstes Kapitel,lieber den Einfluss des Sauerstoffgases auf die Keimung.
§ 1.
Von der Keimung.
Das Sauerstoffgas und das Wasser sind zwei gleichzeitig vonder Natur angewandte Mittel, um in den Samen die unter demNamen Keimung bekannte Entwicklung anzuregen. Das Wasserallein vergrössert zwar, indem es in das Zellengewebe ein-dringt und es erfüllt, ihr Volumen, aber bringt sie nicht zumKeimen. Das Würzelchen ist für eine grosse Zahl Samenkör-ner, aber nicht für alle, ein Anzeichen der Keimung. [2] Einigebringen dies Organ an's Licht durch eine Quellung in Folgevon Wasserimbibition und nicht durch einen Wachsthumsakt.Hieran kann man nicht zweifeln, da man weiss, dass manchetodte Körner oder solche, welche durch ihr Alter die Fähigkeitzu keimen eingebüsst haben, nichtsdestoweniger ihr Würzelchentreiben, als wenn sie einer neuen Entwicklung fähig wären.
Der Caffe z. B.*), welcher nur keimen kann, wenn er nichtspäter als fünf oder sechs Wochen, nachdem er geerntet, ausge-säet worden ist, zeigt die in Frage stehende Erscheinung nachAblauf einer unbegrenzten Zahl von Jahren, und zwar nicht nurin kaltem Wasser ohne Luftzutritt, sondern auch in Flüssig-keiten, welche sicher unfähig sind, die Vegetation anzuregen oder
*) Vahnont de Bomare, Dictionnaire dHistoire naturelle (articleCaf6) hat diese Erscheinung kennen gelehrt; aber man hat sie ohneGrund einer wirklichen Keimung zugeschrieben. Linsen, welche dieKeimkraft verloren haben, besitzen dieselbe Eigenschaft in wenigerauffallender Weise.