Druckschrift 
Pflanzenmikrochemie : ein Hilfsbuch beim mikrochemischen Studium pflanzlicher Objekte ; mit 137 Abb.
Entstehung
Seite
549
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Zellulose.

549

hat Hanausek*) zur Unterscheidung der Lein-und Hanffaser benutzt.Bei Linum tritt der Plasmaschlauch wellenförmig und unregelmäßiggewunden hervor, bei Cannabis erscheint er mit geradem Verlauf. Diesekundären Verdickungsschichten von Cannabis bleiben weit langer er-halten als die von Linum. Nur der Hanffaser ist an der Außenseiteeine bräunliche sekretartige Masse aufgelagert, die sehr resistent ist.Bekannt sind die Lösungserscheinungen in Kupferoxydammoniak, welchedie mit kutinisierten und verholzten Außenmembranen versehenen Tn-chome und Fasern zeigen. Das Reagens kann auf die inneren zellu-losehaltigen Schichten nur an den verletzten Stellen der Kutikula undder primären Membran einwirken; an diesen Stellen tritt die Zellulosebei der Lösung blasenförmig heraus und preßtdie nicht angreifbaren äußeren Schichten beiseite.Gleichzeitig wird der Plasmaschlauch gut sicht-bar (Fig. 124).

Von verd. und konz. Alkalien, verd. und konz.Salpetersäure, von Schultzeschem Gemisch wirdZellulose nicht gelöst, doch erfolgt Quellung, wo-durch feinere Strukturverhältnisse besser sichtbarwerden. Verd. und konz. Salzsäure löst (selbstbeim Aufkochen) nicht; dadurch unterscheidetsich die Zellulose von den Hemizellulosen (s. d.).

Reine Zellulose färbt sich mit Jodjodkaliumoder mit alkoholischer Jodlösung gelblich bisschwach braun. Durch mäßig verd. Schwefelsäure(7095°/ 0 ) wird Zellulose unter Gallertbildungin Hydrozellulose übergeführt und diese wird vonJodreagentien gebläut. Hierauf beruht der bestemikrochemische Nachweis der Zellulose mit Jod-Schwefelsäure, der 1838 von Schieiden ange-

geben wurde, nachdem Gmelin*) vorher (1830) die gleiche Reaktum mitPapier ausgeführt hatte. Man benutzt eine jodarme Jf ^almmlo.(0.3 J, 1.5 h, 100.0 Wasser) und eine mäßig verd. Schwefebaute (3 + 1Wasser). Bei Verwendung konzentrierterer Lösungen treten störendeJodausscheidungen auf und die Präparate lösen sich zu schnei ii aSäure. Die Schnitte werden mit der Jodlösung gut durchtränkt, bleibeneinige Zeit liegen, dann wird ein kleiner Tropfen Wasser und schließ

') T. F. Hanausek, Eine neue Methode zur Unterscheidung der Flachs- undHanffaser, Ztschr. f. Farbenind., 1908, Heft 7 Sep. g

L ') J. M. Schieiden, Pogg. Ann. 1838, XL111, R>. <J»i u.. vrJonrn., 1830, LVI1I, S. 374.

Fig. 124.

Einwirkung vonKupferoxydanimoniak aufGossy ]> i uin (n) und Cin-namomum camphora(6): blasenartiges Hervor-quellen der Zellulose bei c(T u n ni a n n).