Druckschrift 
Pflanzenmikrochemie : ein Hilfsbuch beim mikrochemischen Studium pflanzlicher Objekte ; mit 137 Abb.
Entstehung
Seite
207
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Ty rosin.

207

finden sich große Mengen in der Plumula. Die Tyrosinabscheidung läßtsich an Präparaten hervorrufen durch Chloroform, Benzol, Toluol,Alkohol und Äther. Man bringt Schnitte aus der mittleren Wurzel-region auf dem Objektträger in einen Tropfen Wasser, legt einen Papp-ausschnitt als feuchte Kammer auf (S. 15) und bringt auf das Deck-glas einen Tropfen Chloroform, Äther oder dergl. Die Dämpfe deshängenden Chloroformtropfens müssen die Schnitte bestreichen. Nach30 -60 Minuten haben sich nadeiförmige, kranzartig gruppierte Tyrosin-kristalle gebildet. Durch die Narkose wird jedenfalls die weitere Ver-arbeitung des Tyrosins verhindert, während die Wirkung proteolytischer,Tyrosin bildender Enzyme nicht gehemmt wird.

In den Tyrosinzellen der Keimwurzeln tritt mit ammoniakalischerSilbernitratlösung keine Reduktion ein, doch erfolgt die Millonsche Re-aktion. Wird jedoch die Narkose auf mehrere Tage ausgedehnt, dannverschwinden die Kristalle, die Millonsche Reaktion bleibt aus und dieSilberreduktion tritt, besonders beim Erwärmen, deutlich hervor. Derdie Reduktion bedingende Körper, der sich vornehmlich im Periblemfindet, soll nach Czapeks 1 ) eingehender Untersuchung Homogentisin-säure sein, die sich aus Tyrosin bildet. Wahrscheinlich deutet die Be-obachtung von Pfeffer 2 ), daß Wasserstoffsuperoxyd (neutral oder ganzschwach alkalisch) eine rötlichbraune Färbung hervorruft (Keimwurzelvon Vicia faba), ebenfalls auf Homogentisinsäure hin.

Czapek weist Homogentisinsäure in Lupinenwurzeln nach, indem ereine größere Menge Wurzeln zunächst in einem geschlossenen Glase mehrere Tageim Brutschrank beläßt. Dann werden die Wurzeln unter Zusatz von (ilaspulverzerrieben, der Wurzelbrei wird mit 96 % Alkohol ausgekocht. Das alkoholischeExtrakt wird eingeengt, mit Wasser verdünnt, der Alkohol verjagt und diewässerige Lösung filtriert. Die Lösung enthält die Homogentisinsäure, sie wird mitAlkalien rötlichgelb bis dunkelbraun, reduziert ammoniakalische Silberlösung, wirdbeim Erwärmen mit Millons Reagens gelbrötlich, mit Eisenchlorid grünlich, mitEisenvitriol violett. Sie wird durch Bleiacetat gefällt, Fehlingsehe Lösung wirderst bei längerem Kochen etwas reduziert. Reine Homogentisinsäure gibt ähn-liche Reaktionen. Da aber Schulze und Castoro*) Homogentisinsäure nichtisolieren konnten, trotzdem sich diese, künstlich den Pflanzen zugesetzt, noch inSpuren von 0,005% nachweisen läßt, so bleibt die Frage strittig.

') Fr. Czapek, Oxydati ve Stoff Wechselvorgänge bei pflanzlichen Reiz-reaktionen, Ztsohr. f. wiss. Bot., 1906, XLIII, S. 361.

') W. Pfeffer, Beiträge zur Kenntnis der Oxydationsvorgänge in leben-den Zellen, Leipzig, 1889, S. 8.

8 ) E. Schulze u. N. Castoro, Bildet sich die Homogentisinsäure beimAbbau des Tyrosins in den Keimpflanzen?, Ztschr. f. phys. Chem., 1906,XLVIII, S. 896.