Das Untersuchungsmaterial. 5
Pflanzen, nach Gomont 1 ) auch (mit etwas Glyzerinzusatz) bei grünenSüßwasseralgen. Osmiumsäure wird bei pflanzlichen Objektenweniger benutzt.
Getrocknetes Material, auf das man oft ausschließlich angewiesenist, wird in vielen Fällen, wenn man vom Plasma, Kern und Chromo-plasten absieht, gleich gute Dienste wie konserviertes leisten. VonEinfluß auf manche Inhaltsstoffe ist die Art des Trockenprozesses.Verläuft dieser langsam, so finden tiefgreifende Spaltungen statt. Beischnellem, scharfem Trocknen lassen sich enzymatische Prozesse zumgroßen Teile ausschalten. Jahrelanges Lagern von Drogen und Herbar-pflanzen, vornehmlich bei schlechter Aufbewahrung, kann natürlichweitere Zersetzungen bedingen. Im Zellsaft gelöste Substanzen im-prägnieren die organisierten Bestandteile der Zelle, dringen auch indie Membranen ein. Vorzüglich aus Sekretbehältern gelangen leichtflüchtige Bestandteile teils zur völligen Verdunstung und sind nichtmehr nachweisbar, teils an sekundäre Lagerstätten und zur Kristallisation(Alantsäureanhydrid, Santonin, Kampfer). Sehr viele Substanzen kri-stallisieren in der Zelle bei Wasserentzug aus (Inulin, Fett, Zucker,Hesperidin, Farbstoffe u. a.). Zuweilen wird ein Aufbewahren der luft-trockenen Objekte über Chlorkalzium anzuraten sein. Behält doch selbstPollen bei sachgemäßer Aufbewahrung über Chlorkalzium seine Keim-fähigkeit (s. Chemotropismus).
Zum Aufweichen getrockneter Algen und Pilze bedient man sich der Milch-saure. Die Objekte werden in Wasser aufgeweicht, dann in konzentrierte Milch-saure gebracht und auf dem Objektträger erhitzt, bis keine Gasbläschen mehrhervortreten 2 ). Das Verfahren ist auch für Drogen neben der Behandlung vonKahlauge, Chloralhydrat u. a. zu empfehlen.
Beim Versand von lebendem Material zu mikrochemischen Studienist auf die Verpackung zu achten, denn für die Enzyme sind günstigeBedingungen auf dem Transporte gegeben, zumal, wenn dieser längereZeit dauert. Allgemein gültige Vorschriften für die Verpackung lassensich nicht geben, da viel von dem Zustand der Pflanzen und von derDauer des Transportes abhängt. Alkaloidpflanzen, die gleich nach derErnte trocken in Spankörbchen verpackt und verschickt wurden,haben sich bei Postversand nach eigenen Erfahrungen einige Tage gutgehalten. Die Pflanzen müssen jedoch lose (nicht gepreßt) im Körbchen
l ) H. Gomont, Conseils aux voyageurs pour la preparation des algues,Journ. de Bot., 1900, XX, S. 18.
8 ) G. Lagerheim, Über die Anwendung von Milchsäure bei der Unter-suchung von trockenen Algen, Hedwigia 1888, S. 58 und: L'acide lactique, excellenta "' l 'ut pour l'etude des Champignons secs, Rev. mycolog., 1889, XI, S. 95.