VIII
Vorwort
von verschiedener Seite erfahren haben müßte; dem ist aber nicht so.Wir besitzen nur eine, das gesamte Gebiet umfassende Darstellungaus dem jJahre 1892 in der trefflichen „Botanischen Mikrotechnik" vonA. Zimmermann. Seither ist der Ausbau der Pflanzenmikrochemiegewaltig vorwärts geschritten und der Mangel eines neueren Hilfs-buches wurde, da die einschlägigen Arbeiten in den verschiedenstenZeitschriften erscheinen, immer fühlbarer. Diese Lücke hofft vorliegen-des Buch auszufüllen.
Bei der Abfassung des Buches waren folgende Gesichtspunktemaßgebend: Die Grenze zwischen Pflanzenmikrocheraie und reinerMikrochemie kann nicht scharf gezogen werden, gegenwärtig, da dieletztere sich noch vorwiegend mit anorganischen Körpern beschäftigt,vielleicht noch leichter als in'Zukunft. Im allgemeinen kann man abersagen, daß alle Arbeiten, die sich direkt mit den pflanzlichen Objektenund zwar in einfacher Weise am Objektträger ausführen lassen, inunser Gebiet fallen. Daraus geht hervor, daß Arbeiten, die vonschwieriger herzustellenden Zubereitungen (Auszügen, gereinigtenLösungen) ausgehen, uns schon ferner liegen. Doch, es sei nochmals be-tont, diese Abgrenzung ist nicht scharf. Neigungen und Fähigkeitendes Einzelnen werden die Grenze bald nach der chemischen, baldnach der physikalischen, speziell kristallographischen Seite verschieben.Die Untersuchungsmethoden sind tunlichst vollständig gebracht. Auchältere Verfahren sind angeführt, nicht nur dort, wo keine besseren zurVerfügung stehen, sondern zuweilen auch neben den modernen. Hier-für war die Erfahrung maßgebend, daß nicht selten in den sog. „ver-alteten" Verfahren ein guter Kern steckt, und daß zuweilen kleinereAbänderungen zur Verbesserung genügen. Schließlich ist nicht immerdas Neue auch zugleich das Bessere. Zimmermanns Mikrotechnikbeschränkt sich auf die Methoden. Darin liegt eine Unvollständigkeit.Bei allen Untersuchungen, die zur Ermittelung der Lokalisation unter-nommen werden, müssen die Ergebnisse mitgeteilt werden. DieseNotwendigkeit zeigt sich besonders bei den Alkaloiden und Glykosiden,die eine zusammenfassende Darstellung bisher von keiner Seite erfahrenhaben. Unstimmigkeiten in den Befunden sind hervorgehoben und zurDiskussion gestellt, um eine Nachprüfung anzuregen. Auch die inKleindruck gestellten Angaben über das Vorkommen und die Ver-breitung der Pflanzenstoffe, über die quantitativen Ergebnisse derchemischen Forschung und die zahlreichen Hinweise auf die physiolo-gische Bedeutung der Körper stehen in einem innigen Zusammenhangmit der Mikrochemie. Sie zeigen uns die brauchbarsten Versuchs-objekte, geben uns an, in welchen Pflanzenteilen und zu welcherJahreszeit wir die besten Resultate erwarten können, und bewahren