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2 (1854)
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Kreosotum.

Chemikern die Ansieht festgesetzt, dass alle im Handel vorkommenden Krco-sote nichts als unreine Phänylsaure seien. Die Sache, die dadurch in eine ziem-liche Verwirrung gerathen war, da mau von diesen Stoffen verschiedene, garnicht mit einander zu vereinigende Eigenschaften kannte, wurde endlich wiederdurch Gorup-Besanez (Annal. d. Chem. u. Physik 86, 223) in Ordnunggebracht, indem er durch genaue Untersuchungen die Verschiedenheit dieserStoffe festsetzte. Es ist demnach zu erwarten, dass nach dem Bekanntwerdendieser Resultate das lange verl'äugnetc Sichte Holzthecr-Kreosot wieder in seineRechte eintreten werde, und das farblose, in seinen medicinischen Wirkungenunter dem ächten stehende Kreosot, wieder aus dem Arzneischatze verschwin-den werde.

Gorup-Besanez suchte sich zumachst reines Kreosot darzustellen, wasihm aber, wie er selbst zugiebt, so wenig wie Reiehenbach selbst vollständiggelang. Ein achtes Buchenholztheer-Kreosot diente ihm als Rohmaterial. Daserhaltene Destillat hatte alle von Reiehenbach beschriebenen Eigenschaften,Ausser den bekannten und schon oben beschriebenen zeigte es die, dass ein milSalzsäure befeuchteter Fichtenholzspan, darin eingetaucht, nicht die geringsteSpur einer blauen oder violetten Färbung zeigte, und dass säurefreies Eisen-Chlorid keine Spur jener blauvioletten Färbung zeigte, welche dieses Reagenzselbst in sehr verdünnten phänylsauren Lösungen hervorruft. Es konnte nie-mals krystallisirt werden, selbst bei sehr niederen Temperaturen. Das speci-fisehe Gewicht des rohen Destillats schwankte zwischen 1,040 und 1,049. DasSteigen des Siedepunktes zeigte, dass hier ein Gemenge verschiedener Stoffe vor-handen war. Es wurde deshalb von demjenigen Kreosot, welches bei 1(>2 bislGß" R. (203 — 208° C.) überging, eine grössere Menge für sieh in Arbeit ge-nommen und daraus ein Destillat erhalten, was einen zwar wenig steigenden,aber immer noch nicht Constanten Siedepunkt hatte. Dieses wurde zur Ele-mentaranalyse benutzt. Ettling*) hatte die Formel C 7 H 4 0 entwickelt, öme-lin hat Ci 2 H 8 0. 2 für die genannten drei Körper angenommen, und Gorup-Besanez findet C J uII,, i 0 4 am meisten mit seinen und Ettling's Versuchenübereinstimmend. Er giebt selbst zu, dass die Differenzen zu gross seien, umsich dabei vollkommen beruhigen zu können.

Vergleichen wir nun noch die physischen Eigenschaften der beiden anderenKörper, so ist es wunderbar, wie man dieselben auf den blossen Geruch hin füridentisch halten konnte.

Die Phänylsaure krystallisirt bei Mittolwärme in farblosen langen Nadelnvon 1,0(5 speeif. Gew., welche erst bei 27,2 — 28" R. (34 — 35" C.) schmelzen;sie kocht bei 149,8 — 150" R. (187 — 188" C), riecht dem Kreosot sein- ähn-lich, greift wie dieses die Haut an und röthet nicht Lackmus.

Runge's Carbolsäure ist ein färbloses Oel von 1,002 speeif. Gew., krystal-lisirt in bei 12" R. (15« c.) schmelzenden Nadeln, kocht bei 157,6" R. (197" C).Sie macht auf d cr Haut braune und weisse Flecken, die in einer Minute rothwerden und sich in einigen Tagen abschuppen. Auf Wunden bewirkt sie Ei-weissgennuung ohne Blutstillung. Ein mit einer Lösung in 300 Theilcn Wasser

befeuchteter Fichtenspan erhalt beim Benetzen mit Salzsäure in >:., Si.....l e eine

sehr schön blaue, durch Chlorkalk nicht wohl zerstörbare Farbe.

Trockene Carbolsäure soll trockenes kohlensaures Kali lösen, ohne selbstbeim Erhitzen Kohlensäure zu entwickeln, weshalb mau kaum einsieht, warumman diesem Körper den Namen einer Säure gegeben hat. Ea scheint hieraushervor zu gehen, das Laurent's Phänylhydrat und Runge's Carbolsäure

*) Annal. d. Pharm. 6, 209.