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IX. Antipyretica. Fiebermittel.
J. Sawadoivski glaubt auf Grund seiner experimentellen Untersuchungen aus-sprechen zu dürfen , dass die durch Antipyrin herbeigeführte Verminderung des Stoff-wechsels nicht auf einer directen Beeinflussung der Oxydation in den Geweben beruheund ähnlich spricht sich auch R. GoUlieb aus. Nach dem erstgenannten Forscher lässtsich die Wirkung des Antipyrins in folgender "Weise erklären: es bewirkt 1. Steige-rung der Wärmeabgabe, indem es das wahrscheinlich im vorderen Abschnittder Corpora striata gelegene specielle vasomotorische Centrum reizt, und 2. Herab-setzung der AVärmeproduction, indem es wahrscheinlich eine Lähmung des im(hinteren) sogenannten trophischen Abschnitt der Corpora striata befindlichen wärme-producirenden Theiles desselben bewirkt oder vielmehr den die Wärmeproduction hemmen-den Theil reizt.
TapjH'iner (Arch. f. experim. Patb. u. Pharm. 1892) weist nach, dass Antipyrin beiKaninchen eine nicht unbedeutende Vermehrung der Harnmenge, deren Ursache wahr-scheinlich in den Nieren zu suchen ist, bewirke. Vermuthlich ist darnach auch die beifiebernden Menschen nach Antipyrin häufig beobachtete starke Diurese nicht allein vonder Herabsetzung der Körpertemperatur und den davon abhängigen Momenten abzuleiten.Nach Cardi und Vallini (1896) dagegen wirkt Antipyrin vaso-constrictorisch auf dieNieren, unabhängig vom Circulationssystem. Es erzeugt Verminderung der Harnab-sonderung, welche einige Zeit anhält.
Therapeutische Anwendung findet das Antipyrin intern, resp.subcutan oder im Clysma hauptsächlich a) als Antipyreticum, undzwar nach übereinstimmenden Erfahrungen lediglich als symptoma-tisches Mittel; nur beim acuten Gelenksrheumatisnms wird es von zahl-reichen Autoren geradezu als Specificum, gleich der Salieylsäure, be-zeichnet. Nach einigen ist es hier der letzteren überlegen, nach anderensteht es derselben nach.
Von acut fieberhaften Krankheiten scheint es besonders bei Typhus (T. abdomi-nalis, exanthematicus, recurrens) sich als Antipyreticum zu bewähren, weniger beiScarlatina und Erysipel; bezüglich seines Werthes bei Pneumonie sind die Angabennicht gleichlautend. Auch bei Phthise wird seine Wirksamkeit gerühmt.
b) Als Nervinum bei den verschiedensten schmerzhaften undkrampfhaften Affectionen wird Antipyrin, seitdem von Frankreich ausauf seine Wirksamkeit in dieser Richtung hingewiesen wurde, ausser-ordentlich häufig gebraucht, so bei Kopfschmerzen, Hemikranie, Neur-algien (zumal des Trigeminus), gegen die lancinirenden Schmerzen derTabetiker, gegen nervösen Ohrenschmerz, Koliken etc. Sehr gerühmtist es ferner fast als Specificum bei Pertussis von zahlreichen Autoren{Demuth, Windelband, Sonnenberger, Graefe, Griffith etc.), auch gegenChorea, Epilepsie und Seekrankheit {Bonnet, Boudonin, M. Colin u. a ).Vereinzelte, zum Theil zweifelhafte oder selbst abgewehrte Empfehlunghat es auch gegen zu schmerzhafte Wehen {Läget, Steinthal; imClysma 2,0), Diabetes, Polyurie und andere Krankheiten gefunden.
Sonst extern als reizendes, antiseptisclies, schmerzlinderndes und hämostatischesMittel in Substanz und Lösung zur Behandlung atonischer Geschwüre am Unterschenkel(Solut. z. Verb., Streupulv., Bosse), von Hämorrhoidalgeschwüren (Schreiber), zur Blut-stillung bei Epistaxis (Aufschnupfen einer 5°/ 0 igen Solut.; Casati), bei AVunden (4 bis5% Solut., Streupulv.), bei Hämorrhoiden (Supposit., Huchard), Hämoptoe (Inhalat.1% Solut., Olikhoir), zum Wundverband als Antiseptieum (5°/oige Solut., Neildörfer),bei schweren Cystitisformen (Inject. 2—3%ige Solut., Mahnert) ; bei Cornealtrübungenals Streupulver gleich Calomel (Aldor); gegen Diarrhoe der Kinder, gegen Dysenterie(Clysma), als örtlich anästhesirendes Mittel des Rachens und Kehlkopfs (in 30—50%igerSolut. oder Pulv. (J. Neumann).
Dosirung. Intern als Nervinum meist 1,0—2,0, 1—3mal tägl.,als Antipyreticum gewöhnlich zu 0.5—2,0 pro dos., bei kräftigenIndividuen 5.0 — 6,0 in drei einstündliehen Dosen in Pulvern (in Wasser