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IX. Antipyretica. Fiebermittel.
J.
Diese Charakteristik erfährt.eine Einschränkung, seitdem man in der sogenanntenChina enprea von R c m i j i a Purdieana Wedd. in Neu-Granada und von R e in i j i apedunculata Triaua im Stromgebiete des oberen Orinoco und Amazonas eine Rindekennen gelernt hat, welche ihrem anatomischen Baue nach zu den falschen, in chemi-scher Beziehung dagegen zu den echten Chinarinden gehört, indem sie, wie Hesse (1871)gezeigt hat, die diesen zukommenden Alkaloide (darunter 1—2°/ 0 Chinin) führt.
Nach ihrer vorherrschenden Farbe unterscheidet man die im Handel vorkommen-den Chinarinden als graue oder braune, als gelbe und als rothe und bezeichnetsie sonst auch nach ihrer Provenienz, nach den Hauptstapelplätzen und Ausfuhrhäfenals: Loxa-, Huanuco-, Guayaquil-, Carthagena- etc. China.
Als officinelle fordert die Ph. A., in Uebereinstimmung mit derPh. Germ., Zweig- und Stammrinden cultivirter Cinchonen. vorzugs-weise solche der Cinchona succirubra Pav., einer im südlichenEcuador einheimischen, besonders in Britisch-lndien, anf Ceylon, -la-maika, Java etc. cultivirten Art mit einem Minimalgehalt von 3.5% anAlkaloiden.
3—4 Dm. und darüber lange, 2—4 Mm. dicke, harte, brüchige, im Brucheebene oder etwas kurzfaserige Röhren, welche an der Aussenfläche mit einem dünnen,weissgrauen oder graubräunlichen, grub längsrunzeligen oder oft querrissigen Peridermbedeckt, unter dem Periderm braun, auf der zimmtbratmen oder braunrothen Innen-fläche zart gestreift und mikroskopisch zu erkennen sind an den meist spindelförmigen,ziemlich kurzen, vollkommen verdickten und verholzten, in der Innenrinde radial zer-streuten Bastfasern.
An Stelle der früher officinellen drei Handelssorten, der grauen, gelben oderCalisaya- und der rothen Chinarinde haben die Pharmacopöen nur eine Sorte derChinarinde aufgenommen, die Kinde cultivirter Cinchonaarten, insbesondere der amhäutigsten cnltivirten Cinchona succirubra Pav., ohne damit andere Culturrindenauszuschliessen, wenn sie nur den vorgeschriebenen Alkaloidgehalt aufweisen.
Die Cultnrrinden wurden aufgenommen, weil sie gegenwärtig reichlich und inbester Qualität im Handel vorkommen. Sie zeichnen sich durch erhebliehen Alkaloid-,Gerbstoff- und Chinovingehalt aus und erfüllen daher alle Ansprüche, welche man derzeitan die therapeutische Leistung der Chinarinde stellt. Zudem sind sie frischer und weitsorgfältiger getrocknet als die südamerikanischen Binden, welche oft jahrelang in denWäldern, in den Stapel- und Hafenplätzen liegen bleiben. Deshalb sind auch aus denCulturrinden die wirksamen Bestandteile ungleich leichter und vollständiger auszu-ziehen, als aus den abgelegenen südamerikanischen Binden, indem durch die langeLagerung, häufig unter den ungünstigsten äusseren Verhältnissen, chemische Verände-rungen der wirksamen Bestandtheile zustande kommen, durch welche deren Quantitätvermindert und ihre Extraction erschwert wird.
Als wichtigste Bestandtheile enthalten die Chinarinden eine Reihevon Alkaloiden, zunächst die wohl keiner echten Chinarinde fehlendenzwei: Chinin und Cinchonin, welche 1820 von Pelletier und Caventoicals Bestandtheile des bereits 1811 von Gomez in ziemlich reiner Formdargestellten, als „Cinchonin" bezeichneten wirksamen Princips nach-gewiesen wurden. An sie schliessen sich an: das dem Chinin isomereChinidin (Pasteur, Conchinin Hesse) und das dem Cinchonin isomereCinchonidin, Alkaloide, die in verschiedenen südamerikanischenChinarinden, aber besonders in ostindischen Culturrinden gefundenwerden.
Als in geringerer Menge und da besonders in Cultnrrinden der Cinchona succi-rubra vorkommend, sind zu nennen: Chinamin (Hesse. 1872), das damit isomereConchinamin (Hesse 1877) und das Cinchamidin (Hesse 1881): ferner als Be-standtheile der China enprea das Cinchonamin (Arnaud 1881) und das Homo-chinin (Howard). Nur in einzelnen bestimmten Rinden sind noch einige andereAlkaloide nachgewiesen worden, wie das Aricin, Cusconin, Cuscamin, Paytin,Cusconidin, Cuscamidin und Pari ein. Die letztgenannten drei sind amorph,alle übrigen krystallisirbar. Ausser diesen amorphen Alkaloiden kommen in den China-rinden noch andere amorphe Basen, offenbar Umwandlungsproduete der krystallisirbaren,infolge der Trocknung der Rinde oder der bei ihrer Analyse angewendeten Operationen,