Druckschrift 
Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
Entstehung
Seite
372
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

• ■.'

I

■■ilMrfif't

372

VI. Alterantia et Resolventia.

Bei Einfuhr in den Hagen oder das subcutane Bindegewebe ist die Gefahr desTodes durch Kaliumsalze eine wesentlich geringere. Hunde können bei stomachaler Ein-verleibung durch Herzlähmung nicht getödtet werden, Kaninchen erst nach Dosen von3,0 KCl oder KN0 3 unter gastroenteritischen Erscheinungen, subcutan nach Gaben von1,0 bis 1,5 (Bunge). Das Arterienblut der durch Kaliumsalze vergifteten Thiere zeigteine auffallende Helligkeit.

Genuss grösserer Dosen leicht diffttndirender Kaliumsalze, wieSalpeter, rufen beim Menschen hochgradige Magen- und Darmentzündunghervor, in Begleitung von Symptomen, die nicht undeutlich auf eineBetheiligung des Herzens hinweisen. Die rasche Abfuhr der vom Magenaufgenommenen Kaliumsalze durch die Nieren verhütet bei Menschenund Warmblütern die Accumulation im Blute tödtlich auf das Herzwirkender Mengen. Schwieriger diffundirende Kaliumsalze (schwefel-saures, milchsaures, weinsaures Kalium) können in erheblich grösserenQuantitäten in den Magen gebracht werden, ohne toxische Wirkungs-erscheinungen zu veranlassen, da deren Resorption langsam und. indemsie Abführen erregen, unvollständig erfolgt. Das höhere Diffusionsver-mögen der Kaliumsalze im Vergleiche zu den correspondirenden Natrium-salzen bedingt zugleich die grössere diu retische Wirksamkeit derersteren sowie den stärkeren Reiz, welchen sie auf Schleimhäuten aus-üben ; auch gehen sie leichter in das Blut über und rufen rascher Allge-meinwirkungen als jene hervor.

172. Kalium hydro-oxydatum Ph. A., Kali causticum fusum Ph. G.,Kali hydricum, Lapis causticus Chirurgorum, Cauterium potentiale,Kaliumhydroxyd, geschmolzenes Aetzkali, Kalihydrat, Aetzstein.

Weisse oder gelbliche, trockene, harte Stängelehen, welche siclisehr leicht unter starker Erhitzung im Wasser lösen, an der Luft feuchtwerden und zerfliessen.

Liquor Kali caustici, Aetzkaliflüssigkeit, Kalilauge, Ph. G.,eine klare, farblose oder gelbliche, nahezu 15% Kaliumhydroxyd ent-haltende Flüssigkeit.

Kaliumhydroxyd oder Aetzkali wird durch Eindampfen von Aetzkali-flüssigkeit (Kalilauge) und Erhitzen des Rückstandes in einer silbernen Schale, bis einherausgenommener Tropfen, auf eine Metallplatte gebracht, sofort erhärtet, gewonnen.Die noch flüssige Masse wird entweder in angewärmte eiserne Model gegossen, in denensie zu Stäbchen, Kali causticum fusum in bacillis, erstarrt oder auf einekalte eiserne Platte ausgegossen und, sobald sie hart geworden, in unregelmässige Stücke,Kali causticum in frustis, zerschlagen, welche letztere in Lösung vorzugsweise zucaustischen Bädern und Waschungen Verwendung linden. Durch Schmelzen von Aetz-kali mit Zusatz von gebranntem Kalk (im Verh. von 2—5 : 10 Th. Kalihydrat) lassen sichweniger zerfliessliche Stängelehen, Lapis causticus cum Calce, Lap. Filhosii, erhalten.

Um Kalilauge zu erzeugen, wird rohes kohlensaures Kalium (Pottasche) in derdoppelten Menge gemeinen Wassers gelöst, die durch Absetzen klar gewordene Flüssigkeitmit 10 Th. Wasser verdünnt, sodann in einer eisernen Pfanne zum Kochen erhitzt undunter Umrühren mit Wasser zu einem dünnen Breie zerrührter Aetzkalk ("/,„ Th.) zuge-setzt, worauf die Mischung so lange im Sieden erhalten bleibt, bis eine abiiltrirte Probe,in verd. Salzsäure gebracht, kein Aufbrausen verursacht, zuletzt behufs Abscheidung desBodensatzes in einem gut verschlossenen Gefässe verwahrt. Durch Eindampfen der klar-gewordenen Lauge zum spec. Gew. 1,126—1,130 resultirt die oben erwähnte Aetzkali-flüssigkeit, bis zum spec. Gew. 1,33 verdunstet, die einst gebräuchliche 33°/ 0 ig eAetzkalilauge, Kali causticum solutum, Lixivium causticum. Zur Trockeneverdampft, besitzt der Rückstand (Kali causticum siecum) noch 6—7° 0 Wasser; durchSchmelzen (Kali causticum fusum) verliert er dasselbe bis auf das chemisch gebundenevollständig.

Kaliunihydroxyd ist die stärkste aller Basen. In Substanz zurEinwirkung gebracht, zerstört dasselbe, indem es den Geweben unter