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IV. Adstringentia et Balsamica.
ersteron, an Kreosot aber ärmer als der Buchentheer (und Theere aus harten Holz-arten, welche einen grösseren Gehalt an empyreumatischen Substanzen und bis 10°/oKreosot besitzen [pag. 134 und 145]). Steinkohlen theer unterscheidet sich vomHolztheer wesentlich durch das Ueberwiegen der Carbolsäure, des Naphtalins, dann derKohlenwasserstoffe der Benzolreihe und der Menge der organischen Basen, namentlichder Anilin-, Chinolin-, Pyridin- und Pyrolbasen, die auch im animalischen Theerreichlich vertreten sind. Der alkalisch reagirende Kohlentheer steht so dem animalischenTheer in chemischer, wie physiologischer Beziehung näher und verhält sich darumgleich diesem giftiger, als die durchwegs (von Essigsäure) sauer reagirenden Holztheer-sorten. Letztere sind in Alkohol, Aether und Oelen fast vollständig, in Wasser nursehr wenig löslich; mit Wasser geschüttelt ertheilen sie diesem eine sauere Reaction,eine schwach gelbliche Farbe und den ihnen eigenthümlichen empyreumatischen Geruchund Geschmack.
Wird der Holztheer der Destillation unterworfen, so gewinnt man einerseits einölartiges Product (sog. Pech- oder Theeröl), andererseits als Rückstand eine tief schwarze,undurchsichtige, nach dem Erkalten feste, spröde, zwischen den Fingern erweichendeund klebende, in Alkohol nnd Alkalien lösliche Harzmasse von schwachem Theergeruch,das sog. Schiffspech (Sehwarzpech), Pix navalis, Pix solida atra. Durch Kochendesselben mit etwas Holztheer, Terpentin und Wachs resultirt das weniger sprödeSchusterpech, Pix sutorum, welches man zu manchen arzneilichen Zwecken,z. B. zur Herstellung von Gichtpapier, dem Schiffspech vorzieht.
Theer ist ein höchst complexer Körper, der in Bezug aufQualität und Quantität der ihn zusammensetzenden Bestandtheile ausser-ordentlich variirt, nicht blos je nach der Art des Materials, aus welchemer gewonnen wurde, sondern auch nach der Methode seiner Dar-stellung. Selbst aus einer und derselben Holzart erhaltene Theereweichen in dieser Hinsicht oft nicht unwesentlich von einander ab.
Der zu Heilzwecken fast ausschliesslich benutzte Holztheer wirktan allen Einverleibungsstellen reizend; doch vertragen die meisten Per-sonen, Gesunde und Kranke, seine Application auf der Haut ohneerhebliche Reactionserscheinungen, wenn nicht zu ausgedehnte undschmerzende Hautstellen damit bestrichen werden. Nur selten kommtes schon nach der ersten Einreibung zu einer bedeutenderen entzünd-lichen Schwellung oder zu einer selbst über die eingetheerte Stellehinausgehenden Dermatitis.
Auf den erkrankten Hautpartien trägt der Theer einerseits zurBehebung des subinflammatorischen Zustandes der obersten Corion-schichtcn bei, indem die paretischen und ectatischen Hautgefässe durchdie dahin gedrungenen Theerbestandtheile zur Contraction angeregtwerden, andererseits fördert er die Mortitication der obersten Schichtender Epidermis und wirkt vernichtend auf die in derselben, sowie in denFollikeln nistenden pflanzlichen und thierischen Parasiten; dabei milderter auch gewöhnlich das die impetiginöse Hautaffection begleitendeJucken (Kaposi). Doch wird bei manchen Personen darnach eine Stei-gerung des Hautjuckens, mitunter bis zu hohen Graden beobachtet.Bei fortgesetzter Anwendung des Theeres bilden sich fast stets, ent-sprechend den Ausführungsgängen der Follikel, schwarze Punkte, ähn-lich den Comedonen, welche sich bald mit einem Entzündungshofe um-geben und grösser werden, bis sie die Form erbsengrosser Acnepustelnerreichen (Theeracne).
Bei über grössere Hautflächen ausgedehnten Theereinreibungenkann es zu einer reichlichen Resorption von Theerbestandtheilen undinfolge dessen nach einigen Stunden, zuweilen schon nach 1 / 2 Stunde, zuIntoxicationserseheinungen kommen, welche sich in Eingenommenheitdes Kopfes, Magenschmerzen, Erbrechen und Abführen dunkel- bis