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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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III. Toniea.

I

und das Chiratin, welch letzteres durch verdünnte Salzsäure in Chiratogenin und Ophelia-säure zerlegt wird.

76. Herba Cardui benedicti, Kardobenedictenkraut. Ph. Germ.Das getrocknete blühende Kraut von Cnicus benedictus L., einereinjährigen, in Vorderasien und Südeuropa einheimischen, bei uns hinund wieder cultivirten Composite.

Besitzt länglieh-lancettförmige , buchtig-fiederspaltige , zerstreut behaarte Blättermit gerade abstehenden, nach beiden Enden des Blattes abnehmenden, stachelspitzig-bis dornspitzig-gezähnten Lappen und grosse vereinzelte Blütenkörbchen mit gelbenRöhrenblüten; fast geruchlos, stark bitter und etwas salzig schmeckend.

Enthält einen von Nativelle (1839) entdeckten, von F. Scribe(1842) näher untersuchten krystallisirbaren Bitterstoff, Cnicin. derauch in anderen bitter schmeckenden Cynaraen vorzukommen scheint.

Nach Scribe soll das Cnicin zu ca. 0,3 Hitze und Brennen im Schlünde und inder Speiseröhre, Warmegefühl im Epigastrium . oft Uebelkeit. Erbrechen, Kolik undDurchfall erzeugen; soll auch (zu 0.3—0,5) antitypisch wirken, hat aber trotz weitererAnempfehlungen (Bouchardat) als Wechselfiebermittel keinen Anklang gefunden. DasKraut selbst wirkt nach Art der anderen Amara mera. Grösseren Dosen schreibt manauch eine diuretische und leicht abführende Wirkung zu. Grosse Dosen sollen Uebelkeitund bisweilen selbst Erbrechen und Durchfall erzeugen.

Anwendung findet es gleich den anderen reinen Bittermitteln.Intern zu 1,0—2,0 in Pulv., Pillen, häufiger im Infus. 5,0 — 10.0 auf100,0—150,0 Col. '

Extractum Cardui benedicti, Kardobenedictenkraut-extract, Ph. Germ. Wässeriges Extract von gewöhnlicher Consistenz.Intern zu 0,5—1,5 p. dos. m. t. in Pillen, kSolut.

Nicht mehr officinell, aber als Volksmittel bei uns viel gebraucht, ist:Herba Polygalae amarae, Bitteres Kreuzblumenkraut, die ganze bewurzelteblühende Pflanze Polygala amara L., eine sehr bekannte einheimische Polygalaeeemit ganzrandigen, unten rosettenförmig gehäuften, Spatel- oder verkehrt-eiförmigenBlättern, welche stets weit grösser sind als die zerstreuten lineal-lancettförmigenStengelblätter, und kleinen, unregelmässigen, traubiggeordneten blauen Blüten, von starkbitterem Geschmack, frisch und getrocknet last geruchlos, in welkem Zustande cumarin-artig riechend. Enthält einen krystallisirbaren Bitterstoff, Polygamarin. und einStearopten von Cumaringeruch.

77. Lignum üuassiae, Bitterholz.

Von Quassia amara L., einem kleinen Baume oder Strauche inAVäldern Surinams und auf den Antillen und von Simaruba excelsaDC. (Quassia excelsa Sw.), einem ansehnlichen, auf Jamaika und anderenwestindischen Inseln einheimischen Baume aus der Familie der Sima-rubaeeen.

Das Holz von Quassia amara ist als Surinamisches Bitterholz (LignumQuassiae Surinamense), jenes von Simaruba excelsa als J am aik ani seh es Bitter-holz (Lignum Quassiae Jamaieense) bekannt. Beide Bitterholzsorten kommen sowohl inmit der Rinde versehenen oder in davon befreiten Stamm- nnd Aststücken, als auch inzerkleinertem Zustande (geraspelt) im Handel vor. Die daumen- bis armdicken Stückedes Surinamischen Bitterholzes besitzen eine sehr dünne, im Bruche faserige, lockerdem gelblichen, feinfaserigen, zähen, leicht spaltbaren, ziemlich weichen und leichtenHolzkörper anhaftende Rinde, während die bis3Dm. und darüber im Durchmesser erreichen-den Stücke des Jamaikanischen Bitterholzes mit einer bis 1 Cm. dicken, harten, spröden,meist fest anhaftenden Rinde versehen sind.

Der Geschmack beider Sorten des Bitterholzes und ihrer Rindenist sehr stark und anhaltend rein bitter. Als Träger desselben erweistsich ein indifferenter krvstallisirbarer Bitterstoff, Quassiin (ca. 1% () -CAristcnsen, 1882).