1. Amara, Bittermittel.
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1. Amara, Bittermittel.
Eine Reihe stark bitter schmeckender pflanzlicher Arzneistoffe vonverhältnissmässig geringer physiologischer Wirkung, welche therapeutischvorzugsweise bei darniederliegender Verdauung und Ernährung in An-wendung gezogen werden.
Die wirksamen Bestandteile derselben sind mit wenigen Aus-nahmen stickstofffrei, im übrigen von sehr verschiedenem chemischemVerhalten. In den Mutterpflanzen werden sie meist noch von anderen,ihre Wirkungsweise moditicirenden Substanzen, namentlich von ätheri-schen Oelen, Harzen, von Gummi, Amyrum , Zucker, Kali- und Kalk-salzen in mehr oder minder erheblichen Mengen begleitet und vondiesem Gesichtspunkte die Bittermittel als Amara mera, aromaticamucilaginosa und salina (resolventia) unterschieden.
Der von ihnen in der Mundhöhle verursachte Reiz bewirkt nebeneiner stark bitteren Geschmacksempfindung reflectorisch eine Vermehrungder Speichelabsonderung und zuweilen eine eigentümliche, für Hunger-gefühl oft angenommene Empfindung. Sowohl im nichtverdauenden,-Magensaft normal secernirenden Magen, wie auch in solchem, dessenSaftsecretion beeinträchtigt oder vermehrt ist, haben die Bittermittelnach Versuchen Reichmann's (1888), in Form eines Aufgusses (InfusumCentaurii, Trifolii fibrini, Gentianae, Quassiae, Absinthii) genossen, einegeringere Secretionsthätigkeit des Magens zur Folge, als nach demEinbringen einer gleich grossen Menge destillirten Wassers; auch diekünstliche Verdauung wird durch jene Mittel verzögert. Zu demselbenResultat kamen im wesentlichen schon Buchheim und Engel (1849).Mit dem Verschwinden des Infusum amarum aus dem Magen tritt abereine energische Seeretion von Magensaft mit Zunahme seines Aciditäts-grades ein. Bringt man hingegen das Infusum während der Verdauungln den Magen, so wird diese und, wie es scheint, auch die mechanische■Thätigkeit des Magens beeinträchtigt.
J. 11. ScJmurmans Stehhoven's Versuche (1887) an Kranken mit einigen Bitter-rmtteln ergaben ebenfalls, dass es durch sie zu einer deutlichen Salzsäurereaction, aber°ft erst nach 1 Stunde kam. Durch ein Infusum Acori wurde nach Inständigem Ver-weilen im Magen wie durch Alkohol eine stärkere Salzsäurereaction herbeigeführt. Auchdie alkalisch reagirende Oehsengalle ruft im Magen des Menschen eine starke Salzsäure-reaction hervor und schliesst sich so der Wirkungsweise der alkalischen Wässer an,welche die Magensaftsecretion anregen, ohne gleichzeitig das Pepsin zu fällen (W. Jaworski1880). Nach Beobachtungen Tschelzoff's (1886) bei mit Magenfisteln behafteten Hunden"lachte sich nur nach kleinen Dosen der Bittermittel eine bald verschwindende Steige-rung der Secretion bemerkbar; die Pankreasverdauung erschien durch sie beeinträchtigt,( ' lr Absonderung dieser Drüse, sowie die Menge und Beschaffenheit der Galle durchAmara jedoch nicht beeinflusst, Gährungs- und Päulnissprocesse wurden durch sie eherverstärkt als verringert, auch die Stickstoffansscheidung gesteigert und damit das Körper-gewicht herabgesetzt,
Der Umstand bezüglich der Zeit des Eintrittes der peptischen^ irkung der Amara erklärt die negativen Resultate, sowie die ab-weisenden Urtheile früherer Beobachter. Soll ihre Anwendung von Nutzensein, so müssen sie mindestens 3 / 2 —1 Stunde vor dem Essen gereichtwerden. Nach länger fortgesetztem Gebrauch der Bittermittel wird,wie auch bei Missbrauch anderer Peptica, deutliche Abnahme der Esslustund der Verdauung beobachtet. Grosse Dosen rufen Ekel, Brechneigung,allgemeines Unwohlsein, Blähungen, mitunter häufigen Stuhlgang hervor.
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