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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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II. Emollienäa.

I

Die hauptsächlich zu technischen Zwecken benutzte Kartoffelstärke,Amylum Solani, besteht ans verschieden grossen Körnchen; die grösseren davonsind eirund, eiförmig, ellipsoidisch. muschelförmig etc. mit einem Längendurchmesservon 60—90 Mikromillimeter, zeigen einen excentrisch, meist gegen das schmälere Endezn gelegenen Kern nnd sehr zahlreiche, ausserordentlich deutliche excentrische Schichten.

Die in den Samen der gewöhnlichen, zur Nahrung dienenden Leguminosen,wie Bohnen, Linsen, Erbsen vorkommende Stärke ist aus eirunden, elliptischen,eiförmigen, nierenförmigen einfachen Körnern von 15 bis 50 Mikromillimeter Längezusammengesetzt; dieselben zeigen eine centrale Kernhöhle, die häufig als rissiger Spaltentwickelt ist, und gewöhnlich sehr deutliche concentrische Schichtung. Als Bestand-theil verschiedener „Nähr- oder Kraftmehle" trifft man das Me hl der sogenannten Hülsen-früchte (Farina Leguminosarum) an (siehe weiter unten).

Therapeutische Anwendung findet das Weizenstärkemehl(und in gleicher Art können die anderen angeführten Stärkesortenverwendet werden) selten intern, z. 15. als Antidot bei Jodvergiftung(in aufgequollenem Zustande mit heissem Wasser, pag. 119) oderallenfalls als Nährmittel, häufiger extern als Streupulver oder als Be-standteil von Streupulvern, Waschpulvern, zu Clysmen (1 Esslöffel Amyl.mit etwas Wasser zu einem dünnen Brei angerührt und dann mit 100bis 200 Grm. Wasser unter fieissigem Rühren aufgekocht), zu Cata-plasmen, zu Verbänden (Kleisterverband) etc., pharmaeeu tischzu Pulvern, Pasten, Pastillen, Gallerten, als Conspergens für Pillen,zur Bereitung des Unguentum Glycerini (Ph. A.), des Amylum jo-datum etc.

c) Amylum Marantae, Westindisches Arrowroot, Maranta-stärke Ph. Austr. Das aus dem fleischigen Wurzelstocke von Marantaarundinacea L., einer ursprünglich im tropischen Amerika einhei-mischen, jetzt auch in anderen Tropenländern im Grossen cultivirtenMarantacee, gewonnene Stärkemehl.

Es ist ein sehr feines matt-weisses Pulver, welches aus im allgemeiuen eiförmigen,einfachen Körnern von meist 30—45 Mikromillimeter Längendurchmesser, mit gewöhn-lieh gegen das stumpfe Ende gelegenem Kern oder einer einfachen, häufig mehrstrahligenKernspalte und in der Regel mit sehr deutlicher excentrischer Schichtung besteht.

Mit dem Namen Arrowroot werden übrigens noch verschiedene andere exotischefeine Stärkesorten von diverser Abstammung bezeichnet. Hielier gehört das OstindischeArrowroot oder Tikmehl von Curcuma angustifolia und C. leuc orrhiza Boxb.aus der Familie der Zingiberaceen, Amylum Curcumae (Körner flach, eiförmigoder elliptisch, die meisten 36—60 Mikromillimeter lang, an einem Ende meist kurzgespitzt, mit sehr dichter, scharf gezeichneter Meniskenschichtung) und von einer(.' an na-Art, Amyluni Cannae (Körner abgeflacht, eiförmig, ellipsoidisch, nierenförmig,bis 135 Mikromillimeter im Durchmesser), abstammend; das sogenannte BrasilianischeArrowroot (Cassawastärke), Amylum Manihot, aus der fleischigen, mächtigenWurzel von Manihot utilissima Pohl (einer für viele Tropenländer höchst wichtigenNahrungspflanze aus der Familie der Euphorbiaceen) gewonnen (Körner regelmässigzusammengesetzt aus 2 — 8 Bruchkörnchen, die meisten 12—20 Mikromillimeter imDurchmesser, mit ansehnlicher Kernhöhle), die Palmen- oder S ago- Stä rke, A mylumSagi, ans dem Marke mehrerer Palmenarten (Metroxylon Rumphü Mart, M. laeve Mart.)in Ostindien erzeugt (Körner vorwiegend eirund und eiförmig, 35—51 Mikromillimeterlang, mit excentrischer Schichtung, zum Theil eigenthümlich zusammengesetzt, in-dem an einem grossen Hauptkorne 1—2 kleine, als flach gewölbte Höcker vorspringendeNebenkörner angewachsen sind).

Ans dem Sagostärkemehl, aber auch aus anderen Stärkmthlsorten wird theils inverschiedenen Tropenländern, theils in Europa der sogenannte Sago (Granu Sago) inder Art bereitet, dass man die noch feuchte oder angefeuchtete Stärke körnt (durchSiehe durohpresst) und dann einer massigen Erwärmung aussetzt, wodurch die Stärkeaufquillt und zum Theil verkleistert wird. Hieher gehört der echte OstindischeSago, welcher vorzüglich auf Singapore aus dem Sagostärkmehl hergestellt wird undgewöhnlich in kugligen Körnern von reinweisser (Perlsago), gelblicher oder röthlicherFarbe und von etwa Mohnkorn- bis Rübsamengrösse vorkommt. Ungleich häufiger als