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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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167
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3. Antiseptika, Antiseptische Mittel.

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Gegenstände, am besten und bequemsten durch Entwicklung von Formal-dehyddämpfen durch Erhitzen von Paraformaldehyd in Pastillenform(ä 1,0) in besonders hiezu construirten Desinfectionsapparaten (Eormalin-lampen von Schering) , die von verschiedenen Seiten sehr empfohlenwerden.

In Oesterreich ist Formalin unter die officiell empfohlenen Desinfectionsmittelaufgenommen für solche Objeete, bei denen es lediglich auf eine Desinfection der Ober-fläche ankommt und welche durch andere Mittel, z. B. durch heissen Wasserdampf,Schaden leiden würden. Zum Abwaschen oder zum Spray eine 10"/oig° wässerige Lösung;zur vollständigen Desinfection in Gasform, wobei der mit dem Formaldehyddampfe ge-füllte Baum durch 24 Stunden unter sorgfältigem Verstopfen aller Fugen und Spaltengeschlossen zu halten ist, sind 2,0 Paraformaldehyd (2 Pastillen) pro 1 Cbm. Baum er-forderlich. Nach dem Oeffnen des Baumes kann der stechende Geruch des Formaldehydsdurch Lüften, rascher noch durch Verdunsten von Ammoniaktlüssigkeit beseitigt werden.Einzelne, an der Oberfläche zu desinficirende Gegenstände werden in mit dem Gase er-füllte, gut scbliessende Behälter gebracht, darin frei aufgehängt oder sorgfältig ausge-breitet (Kleider, Wäsche etc.), 24 Stunden darin belassen, wobei in die Taschen undAermel mit Formalinlösung getränkte Zeug- oder Papierstücke einzulegen sind. Zur Des-infection von voluminösen Objecten (gefütterten Kleidern, Polstern, Matratzen etc.), beiwelchen es sich nicht nur um die sichere Abtödtung der auf der Oberfläche haftenden In-fectionskeime handelt, sondern auch um eine solche der etwa im Innern der Gegenständevorkommenden Keime, ist dieses Verfahren mit Formaldehyd nicht geeignet.

Sehr werthvoll ist das Formalin als Conservirungsmittel für frische pflanz-liche Objeete, zumal zu anatomisch-histologischen Zwecken. Vor dem Alkohol hat esden grossen Vorzug der Billigkeit (es genügt eine sehr verdünnte Lösung) und nachHolfert (1894) noch zwei weitere Vorzüge: a) dass die darin aufbewahrten Objeete beimHerausnehmen nicht so schnell und nicht so stark collabiren und schrumpfen und b) dasssie ihre natürliche Farbe beibehalten, überhaupt nicht so stark extrahirt werden, keineso eingreifenden chemischen Veränderungen erfahren. Auch zur Aufbewahrung vonBakterienculturen fand es Anempfehlung (Häuser 1893). Dagegen ist Formalin zur Con-servirung von Nahrungsmitteln (z. B. Fleisch) nicht geeignet, denn das Formaldehyd istjedenfalls kein indifferenter Körper und lässt sich auch durch Waschen oder Hitze nichtentfernen. E. Ludwig (1894) macht darauf aufmerksam, dass die Aldehyde sehr labile Ver-bindungen sind, welche gegenüber dem menschlichen Organismus nicht als indifferent be-zeichnet werden dürfen, abgesehen davon, dass das Formalin durch gesundheitsschädlicheStoffe verunreinigt sein kann, deren Nachweis in conservirten Nahrungsmitteln unmöglichwerden könnte.

Bezüglich der therapeutischen Anwendung des Formalins liegennur vereinzelte Mittheilungen über interne und externe Application des-selben vor.

Intern als Antineuralgicum, Antirheumaticum, Antipyretieum und als Desinficiensdes Darms; extern als Analgeticum und locales Anästhcticum bei Erkrankungen derHarnwege (Blennorrhoe, Blasenkatarrh), bei Augenkrankheiten, in der Gynäkologie (In-jeetion und Pinselung der Vagina, r. Winckel), gegen Insectenstiche (Gonin 1897), gegenübelriechende Fussschweisse (1 Esslöffel auf 1 Liter Wasser; Abreibung der Füsse undbesonders zwischen den Zehen mit darin getauchtem Schwämme morgens und eventuellauch abends; Orth 1896). In der operativen Chirurgie (nach Blum 1893) nicht an-wendbar.

Von Aronson (1894) wurde das Parafo rmaldehyd (Trioxymethylen) als Darm-desinficiens, besonders bei Kindercholera, empfohlen, von Rosenberg (1896) eine 60/ 0 igemethylalkoholische Formalinlösung, sogenanntes Holzin, und dieselbe mit Menthol ver-setzt (Holzinol) gegen Keuchhusten, in Combination mit Milchzucker (Sterisol) LeiInfectionskrankheiten. Daran scliliessen sieh an die unter dem Namen Steriformneuestens aufgetauchten Combinationen von Formaldehyd mit Salmiak, resp. mit Jod-ammon oder Zincum oxydat., Milchzucker und Oitronensäure.

Formalith ist mit Formalin imprägnirter Kieseiguhr.

Glutolum, Glutol, Formaldehyd-Gelatine (in Wasser gelöster Leim über Formalin-dämpfen getrocknet, eine harte durchsichtige, in Säuren und Alkalien unlösliche Masse,resp. ein daraus bereitetes feines Pulver), von Seheich (Therap. Monatsh. 1896) in die