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I. Prophylactica.
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auch auf den Wärmesinn wirkt das Menthol reizend, denn man erhält eine auffallendeHitzeempfindung, wenn man das Mittel an einer Hautstelle applicirt, an welcher physio-logisch die Wärmeempfindlichkeit über die Kälteempfindlichkeit vorwiegt. Wenn, wiean der Stirn, durch Menthol nur Kälteempfindung zustande kommt, so liegt diesnach Goldscheider lediglich darin, dass hier die Kältenerven ganz besonders überwiegen.Mit der Kälteempfindung ist zugleich eine wirkliche Hyperästhesie für Kältereize vor-handen, so dass z. B. Kork, selbst der Finger an der betreifenden Stelle Kältegefühlhervorruft. Schliesslich folgt der Hyperästhesie eine Herabsetzung der Erregbarkeit.Temperaturreize werden sehr schwach oder, gar nicht empfunden, ebenso tritt Herab-setzung, aber keine Aufhebung des Druck- und Schmerzgefühles in ähnlicher Weisewie bei Cocain ein, nur schwächer und viel später, da das Stadium erhöhter Reiz-barkeit lange anhält.
Ausser der analgesirenden und der schwächer örtlich anästhesi-renden Wirkung soll das Menthol nach Sehoyn A. Rüssel (1886) auchantiphlogistisch wirken, indem es bei oberflächlichen Entzündungen,local applicirt in ätherischer oder alkoholischer Lösung, einen merk-lichen Nachlass der Schmerzen, der Schwellung, des Hitzgefühls unddes Juckens zustande bringt.
lieber die entfernte Wirkung des Menthols liegen die Resultate der experimen-tellen Untersuchungen von P. Pellacani (1883) vor. Darnach wirkt es bei Fröschenzunächst lähmend auf die Centralorgane des Nervensystems, später auch auf die peripherenNervenenden. Auch Sänger verfallen in eine mehr weniger vollkommene Lähmung; beigrossen Dosen wird auch die Empfindung und Reilexthätigkeit aufgehoben. Die Athem-bewegungen werden seltener und weniger tief. Auf die Circulationsorgane wirkt es bei.Sängern ähnlieh dem Kampfer; wie dieser erzeugt es periodische Erhöhungen desBlutdruckes, die mit Intervallen normaler Druckhöhe abwechseln; hei grossen Dosenkommt es zur anhaltenden Erhöhung des Blutdruckes. Wie durch Kampfer wird auch■durch Menthol das Herz wenig beeinflusst, indem die Zahl und Beschaffenheit derPulsationen keine erhebliche Aenderuug erfährt.
Anwendung. In Ostasien ist das Menthol seit Jahrhunderten alshochgeschätztes Heilmittel verwendet; in den letzten zwei Decennienhat es, besonders als externes Mittel, auch bei uns eine ausgedehnteVerwendung erfahren.
Intern wurde es von S. Rosenberg (1887) anfangs zu 0,02—0,05,später zu 1,0—1,5, 6mal des Tages in Oblaten und zugleich externin Inhalationen mit angeblich sehr gutem Erfolge bei Lungentuberculose(als antibakteriellcs Mittel) verwendet.
Es soll eine kolossale Steigerung des Appetits, Nachlass oder vollständigesAufhören der Nachtschweisse, Abnahme der Secretion , Verminderung des Hustenreizes,Besserung des Schlafes und des subjectiven Wohlbefindens herbeiführen. Dagegen konnteH. Küster (1887), welcher es (bei meist vorgeschrittener Phthise) in Einzeldosen von 0,5(3,0—5,0 pro die) anwandte, einen Einfluss auf Temperatur, Nachtschweisse, Expeoto-ration und Tuberkelbacillen nicht constatiren. Bei den meisten Kranken kam es zubrennendem Sehmerz im Epigastrium, zu Sodbrennen, Aufstossen und manchmal auchzum Erbrechen. In den Fällen, wo es vertragen wurde, steigerte es allerdings denAppetit bedeutend.
Nach Langgaard würde es sich auch empfehlen intern bei Kar-dialgien und Koliken, bei abnormen Gährungsprocessen im Magen undDarme, bei Durchfällen und als Antispasmodicum. Auch gegen Diphtherieintern und extern wurde es empfohlen.
Intern: zu 0,1—1,0 p. dos., m. t. in Pastillen, Pulv. (Oblaten),Pillen, Gallertkapseln, in alkoholischer Lösung etc. Hei Tubereulose bis6,0—9,0 pro die (S. Rosenberg, siehe oben).
Extern: am häufigsten als schmerzstillendes und schmerzlinderndesMittel in Substanz, in Form der bequem zu applicirenden und zu