^HJU
— 19
Der Strassburger Goldschmied Güstenhöver, der von einemFremden, der sieh Hirschberg er nannte, ein rothes Pulver erhielt,welches angeblich unedle Metalle in Gold verwandelte, war unvorsichtiggenug, sich der Goldmacherei zu rühmen, und wurde auf Befehl desKaisers nach Prag gebracht, wo er das Geständniss ablegte, das Ge-heiinniss nicht zu kennen. Man hielt ihn für verlogen und steckte ihnin den weissen Thurm, wo er bis an "sein Lebensende gefangen ge-halten wurde.
Michael Sensophax, genannt Sendivogius, ein Pole vonGeburt, kam 1604 zu Rudolf und gab diesem etwas von einem rothenPulver, womit der Kaiser eigenhändig die Transmutation vollbrachte,worüber er so erfreut war, dass er in demselben Gemache, in welchemder Versuch durchgeführt wurde, eine Marmortafel in die Wand setzenliess mit der Inschrift:
Faeiat hoe quisquam alias
Quod feeit Sendivogius Polonus!
Ton den Persönlichkeiten, welche in den die Geschichte derAlchemie behandelnden Werken als Arbeitsgenossen Rudolfs genanntwurden, fanden wir in den Archiven des k. k. Ministeriums des Innernblos vier, deren Adelsdocumente von Rudolf IL herrühren, und zwarEduard Kelley, Thaddäus Hajek, Martin Rulandt und Müllerv. Müllenfels (Sebald Schweitzer, der auch unter Rudolf gedienthat, wurde schon früher [pag. 12] besprochen).
Die Ritterstandverleihung für Eduard Kelley (Edwardo Kelleo)ist datirt von Prag den 23. Februar 1590 und lobt in warmen Wortendessen ..seltene Gemüths- und Geistesanlagen" sowie dessen „in grossenDingen erworbene Uebung und Kenntniss".
Kelley, der eigentlich Tal bot geheissen hat, war 1555 zuWorcester geboren und ursprünglich Notar zu Laueaster, von wo eraber wegen Urkundenfälschung mit abgeschnittenen Ohren vertriebenworden sein soll und nach Wales ging. Hier entdeckte er in deinWirthshause eines kleinen Gebirgsortes eine alte Handschrift alchemi-stischen Inhaltes, die nebst zwei Elfenbeinkugeln im Grabe einesBischofs gefunden worden war, das man während der Reformation ge-plündert hatte. Beides war im Besitz des Wirtbes, der die in fremderSprache verfasste Schrift nicht verstand und auch die Kugeln, dereneine ein rothes, die andere ein weisses Pulver enthielt, ihres Inhaltesbereits zum Theil beraubt hatte und. nicht beachtete.
Tal bot, der aus dem Text der Handschrift erfahren hatte, dassdie beiden Pulver zur Bereitung von Gold bestimmt waren, kaufte den
2*