Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9

Hottingen, 4, Febrnar 75.

Hochverehrter Herr!

Ich schreibe Ihnen nichts von meiner Freude, von dem Jubel, in dem mich Ihregestern empfangene Depesche versetzt hat. Das können Sic ja Alles sich leicht vorstellen.Aber lassen Sic mich noch einmal Ihnen meinen tiefinnerstcn Dank anssprcchcn für diestarke und mächtige Freundeshand, die Sie mir, dem unbekannten Komponisten gereichthaben, und mit der Sie mich hinaufgezogen in die Höhen, die für mich trotz alles Strebensund Mähens jo lange unerreichbar waren. An mir ist es nun, mich dort zu behaupten.Verzeihen Sic mir nun, hochverehrter Herr, wenn ich Sie bitten muß, mich nächsten Montagnicht zu erwarten. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schwer cs mir fällt, Ihnen diese Worteschreibe» zu müssen, wie es mich mit tausend Banden nach Wien hinzieht, und wie ichunablässig daran denke, die Reise vielleicht dennoch möglich zu machen. Freilich in dennächsten Tagen ist kein Gedanke daran; die Spannung und Aufregung der letzten Wochen,verbunden mit einer Menge von Geschäften, die ich noch nicht glaubte nbschüttcln zu dürfen,haben mich sehr hernntergcbracht. Jetzt will ich mich allerdings srci machen, nnd einige Zeitvollständig der Ruhe nnd Schonung widmen: fühle ich mich dann in 8 bis k4 Tagenmerklich gestärkt, so dürfte ich vielleicht in jener Zeit nnd in mehreren Absätzen die Reisewagen, und ich würde für diesen Fall noch einmal an Sie schreibe». Sollte ich es nichtwagen dürfen, so zürnen Sic mir nicht, nnd bedenken Sie, das; ich nach dem einstimmigenllrthcil verschiedener Acrztc, die ich konsnltirt, diesen Winter in beständiger Gefahr einesBlnlsturzcs lebe, eine Disposition, die nur durch eine lange, gründliche nnd glückliche Alpeinluftknr im Sommer beseitigt oder doch günstiger gestaltet werden kann.

Bis dahin erträglich durchznkommen, ist für mich das Allerwichtigste. Glauben Sieübrigens nicht, das; diese traurigen Verhältnisse einen sehr üblen Einflns; geistig auf michanSüben. Wenn meine Krankheit allerdings im letzten Sommer bösartiger als jemals aus-getreten ist, so kenne ich sic doch schon seit vielen Jahren, bald in schlimmerem bald milderemStadium wohl gibt es Momente, wo ich fast verzweifeln möchte über das geringe Mas;körperlicher Kraft, das mein Leiden mir »nr noch lässt aber im Ganzen stehe ich dochüber meinem Schicksal, unterziehe mich geduldig allen Vorsichtsmaßregeln nnd Resigna-tionen, die meine Vernunft als nothwendig erkennt, habe ein liebes, sorgsames Weib, dasdas Studium meiner Krankheit nnd meine Pflege zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, nndbesser darin Bescheid weiß, als die renommirtesten Acrztc in summa, ich will leben, undjetzt, wo auch mein Schicksal günstiger sich gestaltet als je, habe ich alle Hoffnung, nicht nurleben sondern auch frisch nnd kräftig schaffen zu können. Für dieses Schaffen sollte ich freilichauch neue künstlerische Anregung haben, nnd wo möchte ich diese jetzt lieber suchen, als inWien. Ob ich es schon in einigen Wochen wagen kann, zu kommen, ob erst in einigen Monaten,oder wann immer, das kann ich jetzt schwer Voraussagen, da cs nicht von mir abhängt.

An Frau Ehnn habe ich schon direkt geschrieben nnd mich nach den Daten ihrerllrlnnbsreise erkundigt. Natürlich möchte ich Niemand anders als Katharine sehen, als sicnnd ich bekenne Ihnen offen, sic ist ein starker Magnet für mich nnd unbeschreiblich gernkäme ich darum noch im Laufe dieses Monates. Aber die Vernunft vor allem klebrigen!

So seien Sie noch auf's Herzlichste von mir gegrüßt, empfangen Sic auch meineninnigsten Dank für die ganz besonderen Anstrengungen, die Sie sich mit dem Einstndircnnnd Dirigircn meiner Oper aufcrlcgt haben, nnd erhalten Sic Ihre gütige, großmüthigcGesinnung auch ferner Ihrem Ihnen dankbar ergebenen

Hermann Goctz.

Hattingen, 7. Februar 75.

Hochverehrter Herr!

Verzeihen Sie mir, daß ich schon wieder an Sic schreibe, und daß ich cs wage, nocheine Bitte an Sic zu richten. Bitte, schicken Sic Dienstag Früh noch eine Depesche, wie cs