Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

durch Frank zu erfahren suchen. Es inns; da etwas möglichst unerwartetes, und möglichstKomisches passiven. Nur bitte ich dringend, das; der komische Effekt ja nicht zu früh cintritt,genau erst mit dem Eintritt der Posaune nach:

Ich Hane dich heraus."

Das komische Element ist mir überhaupt in der ganzen Oper sehr wichtig. In derAusdehnung ist es gegenüber dem Lustspiel durch die tiefgehende Umwandlung der Hanpt-charaktere sehr beschränkt worden, sollte aber um so wirksamer hcrnnstrcten, wo es gebliebenist. So empfehle ich Ihnen sehr die komische Steigerung des dreimaligen Auftretens desBaptista im ersten Akte. Zuerst noch voller Anzug, dann Schlafrock und Pantoffeln, endlichHemde und Nachtmütze und nur zum Fenster heraus, welches dicht am Proscenium gelegen,dem ganzen Hanse sichtbar sein muß. Endlich denke ich cs mir doch für selbstverständlich,daß Sic Hortensiws Ständchen ans der Bühne anfführen lassen? Ich kann Ihnen erstbeschreibe», wie wirkungslos cs in Mannheim war, als das Stück unten im Orchester gespieltwurde, und Hortcnsio oben seinen Leuten den Takt schlug, die aber nicht spielten. Dabin ich wieder ins Plaudern gekommen über Dinge, die sich für Sic gewiß von selbst ver-stehen. Habeich mir es doch auch gestern nicht versagen können, nachdem ich der Frau Ehn»meinen herzlichen Tank geschrieben hatte für ihren Antheil an dieser Aufführung, noch einekurze Charakteristik der Katharine, wie ich sie mir denke, beizufngen. Ich bekenne Ihnen,daß ich für Herrn von Bignio etwas Achnlichcs im Sinne habe. Die Hauptsache ist dochnur, daß ich den Vertretern der Hauptrollen gern selbst nieinen Dank anssprechcn möchte.Den gleichen Dank hege ich aber gegen alle Mitwirkendc. Da ich nun doch nicht an Alleschreiben kann, darf ich Sic vielleicht bitten, bei Gelegenheit irgend einer Probe'allen Solistenmeinen herzlichen Gruß zu vermitteln und sie meines wärmften Dankes für alle ihre Mühezu versichern.

Jetzt muß ich aber schließen: verzeihen Sie, wenn ich Sic ermüdct habe. Nicht wahr,wenn das Datum der ersten Aufführung definitiv feststeht, so erfahre ich es sofort, und auchtelegraphisch an jenem Abend »och, wie cs gegangen ist. Sie können sich wohl denken, welcheSehnsucht und Aufregung in jener Zeit sich meiner beinächtigen wird. Und wenn Sic selbstkeine Zeit für diese Nachrichten finden, was ich bei Ihren enorm vielen Geschäften sehr gutbegreife und stets begriffen habe, so beauftragen Sic vielleicht sonst Jemand, mich über dasWichtigste nn t'nit, zu erhalten re.

Hattingen, k-1. Januar 75.

Hattingen, 23. Jannar 1875.

.Endlich hat mich mein Verleger bereits mehrmals gebeten, ich möchte bei

Ihnen in Anregung bringen, daß Sic außer der für Sie nngcfertigtcn Partiturkopic nochdie wahrscheinlich nach Ostern bei ihm erscheinende gestochene Partitur bestellen möchten.Indem ich diese Anregung hiermit ansgcführt habe, kann ich aber nur die dringendeBitte daran knüpfen, bei der für mich ansgesetztcn Summe von 400 fl. ö. W. außer denKopiaturkosten auch den Betrag sür die gestochene Partitur abznrechncn. Derselbe wird sichwahrscheinlich auf 40 Thnler oder 60 fl. ö. W. belaufen. Es bleiben mir dann immer nochfast 200 fl., für die ich Ihnen vom Herzen dankbar bin, und die ich auch sehr gut brauchen kann.

So mag denn der Entschcidnngsabcnd hcrankommen! Das Eine weiß ich aber: wenner günstig ausfälit, so will ich ihn nur als eine schwerwiegende Verpflichtung anffasscn sür denimmer höher zu steigernden Werth meiner künftigen Werke. Und als eine ebensolche Verpflichtungfasse ich Ihren herrlichen Brief vom Anfang dieses Monats auf, den ich noch oft mit unsäg-licher Freude gelesen habe. Es sind freilich Stellen darin, die ich selbst unmöglich unterschreibendarf; aber wenn ich am Leben bleibe, glauben Sic mir: ich will, ihrer würdig werden.

Mit hochschätznngsvollcm Gruße Ihr Ihnen dankbar ergebener

_ Hermann Goctz.