Briefwechsel mit Aichard Magner
Aerbeck cm Magncr.
Gcchrtcstcr Herr!
Es dürfte Ihnen vielleicht bekannt sein, daß bis jetzt von Ihren Coinpositioncn derPilgcrchor nns „Tannhänser", Schlcichthhmnc ans „Rienzi" nnd Matrosen-Chor ans „derfliegende Holländer" in Conccrten des Wiener Mannergesangvereines, dessen Dirigent ichbin, anfgeführt wurden nnd wahrhafte Triumphe erlebten — alle drei mußten unter stürmischenZujauchzen wiederholt werden: es ist darum der Wunsch unseres Vereines begreiflich, csmöge die Zahl dieser Erfolge sich möglichst vergrößern. Ich will daher nächstens das andereMatroscnlicd: „Mit Gewitter nnd Sturm" vorführen u. z. in folgender Weise, die für denConccrtgebranch vielleicht nicht unpassend ist, vorausgesetzt diese Willkür werde durch denComponistcn selbst gebilligt.
Der Solist sänge zuerst die erste Strafe, nach dem letzten
-O-
fiele
unmittelbar der Chor mit dem „Gewitter" aus dem Finale des I. Aktes ein und schlössemit dem letzten Tactc der Singstimmcn ab, hierauf beginnt der Solist „Von des SüdensGestad" darauf wieder der Chor mit dem 2. Texte, dem erwähnten Finalsätze unterlegt,darauf fort zum Schluß. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach wäre die variirende Chor-rcprisc von Prächtiger Wirkung und das Ganze gäbe ein charakteristisches, frisches Bild. Ent-hielten „Tristan nnd Isolde" oder die „Nibelungen" eine oder mehrere Scenen für Männer-chor oder gemischten Chor (Soli), deren Vorführung im Concertsaalc nach Art nnd Weiseder „Lohcngrin"-Sccnen thnnlich und untren Euer Wohlgcboren geneigt, mir selbe zu demZwecke anznvertranen, die Wiener damit bekannt zu machen? Ich gehöre natürlich nicht zur
kleinen Zahl meiner Landsleute deren.? Duselei in manchen Blättern transpirirte,
sondern zur übergroßen Majorität, bei welcher der Name Wagner hoch — sehr hoch unge-schrieben steht.
Zn Euer Wohlgeboren genaueren Oricntirung muß noch angeführt werden, daß ichauch die Leitung der Mnsikvcrcinsconcerte (früher Dir. Hellmcsbcrger) und des Sing-vercincs (gemischter Chor) habe und somit bei diesen verschiedenen Aufführungen ein Männer-chor von i 80- 200 frischen, mit Lust nnd Liebe wirkenden Stimmen, und ein gemischterChor von gleicher Anzahl in's Treffen kommt: das Orchester ist jenes der Hofoper, also dasbeste in Wien, das bei diesen Concerten des großen Raumes wegen (Rcdontensaal) auf20 Violinen I und die entsprechende Verstärkung der anderen Instrumente gebracht wird.
Sollten der vollen Gewährung meines Anliegens Hindernisse entgegen sein, so dürfteich vielleicht eine thcilwcisc erlangen durch die freundliche Erlnnbniß, die bereits in Leipzigöffentlich gespielte Jnstrnmentaleinleitung zu „Tristan und Isolde" hier bringen zu dürfen.Noch erlaube ich mir eine Anfrage im Namen unseres Schriftführers, ob 2 Dncatcn Ehrcn-sold für die Chöre aus „Rienzi" und Holländer" die er, nicht unterrichtet von Ihrer Uebcr-