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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
377
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Munde lebe», ei» Loch zustopfe», um gleichzeitig ei» anderes zu öffne», solcheSchliche überließ er andere»; er liebte strenge Ordnung und strenge Rechnung.

Inzwischen war eö Winter geworden, und die Verhältnisse wollten sichnoch immer nicht bessern. Die General-Intendanz, ihre eigene Machtlosigkeitsolchen so zu sagen elementaren Ereignissen gegenüber cinsehend, klopfte auf demRücken der Direction wie ein Tambonr auf seiner Trommel: cS regnete Erlässe,man möge sich der Sparsamkeit befleißen, es ergingen Aufträge zur Erstattungvon Vorschlägen, wie dem drohenden Deficite begegnet werden könnte: allesfruchtlos. Richard Lewh, dessen Affnire inzwischen ihren Verlauf nahm, warfleißig bemüht, dem Leiter der General-Intendanz die Zukunft des Hof-Opern-theaters in den schwärzesten Farben zu malen und Herbeck als den Urheberalles Unglückes hinzustcllen. Eine neue Oper, deren Herstellung der Directionallerdings keine großen Kosten verursachte, „Der Widerspünstigen Zähmung"konnte sich, so reizend sie ist, zu keiner Rcpertoir-Oper anfschwingen, und dieEinnahmen, welche mit derselben erzielt wurden, stiegen nicht bedeutend überden Tages-Durchschnitt. „Die Königin von Saba" erzielte allerdings bedeutendeEinnahmen, um so schlechter nahmen sich dagegen die Casscn-AnSweise der Tage,an welchen diese Oper nicht gegeben wurde, ans. Hcrbcck, welcher überdies durchdie, ihm anläßlich der Affaire Lcwy bereiteten Chicancn mißmnthig geworden war,sah ein, das; unter solchen Umständen ein ersprießliches Wirken zu den Un-möglichkeiten gehöre: jeder Kreuzer, den er anszngebe» hatte, mußte von derOberbehörde bewilligt werden, jeder Kreuzer, den er zu wenig einnahm, wurdeihm aber zur Last gelegt. „Wie die Erfahrungen namentlich in letzterer Zeitlehren", berichtete er noch im letzten Monate seiner Amtsführung an die Intendanz,„fällt die Verantwortung wegen minder günstigen Cnssenerfolgen NiemandAnderem, als dem Director zur Last, während andererseits der Director wiederdie Macht nicht hat, gewisse Maßregeln zu ergreifen, welche direct oder indirecteinen günstige» Einfluß ans die Eassencrfolge üben können."

Das Theater, dessen Führung er mit so frischem Mnthc übernommenhatte, war ihm durch charakterlose Mensche» und durch Leute, welche nichteinsehcn wollten, daß kein Mensch gegen gewisse Fügungen des Schicksalesetwas vermag, vollends znm Eckel geworden; überdies waren seine ohnehinerregbaren Nerven durch die fortwährenden Aufregungen derart abgespanntworden, daß er bei einem längeren Verweilen ans dem Posten des Director«fürchten mußte, ernstlich zu erkranken: alle diese Umstünde veranlaßtcn ihn, denBeschluß zu fassen „zu gehen".

Gelegentlich einer Unterredung mit der Gemahlin des ersten Oberst-hofmeisters, der Fürstin Hohenlohe, kam die Sprache auch ans die ungünstigenVerhältnisse des Hof-Opernthcaters, wobei Hcrbcck den gewünschten Anlaßfand, der Fürstin das Mißbehagen, welches ihm seine Stellung bereitete, zuschildern und zu erklären, daß es für ihn wohl am besten wäre, wenn manirgend eine Form finden würde, unter welcher die Znrncklegnng seines Director-