Nach dm Ergebnissen des Jahres 1874 war aber die durchschnittlicheEinnahme ans 1500 fl. gesunken und auch das Erträgnis; des Abonnements hatteum Bedeutendes abgcnommcn. Das Deficit, welches Herbcck ans Grund seinerim Vorjahre gemachten Beobachtungen für das Jahr 1875 in Aussicht stellte,war kein unbedeutendes, aber kein anderer Dircctor hätte, unter de» damaligenVerhältnissen, bessere finanzielle Zustände herbeiführen können, ohne nicht dasAnsehen des kaiserlichen Knust-Justitutes empfindlich zu schädigen. Bei einigenPosten war gewiß vieles zu ersparen. Hat doch Herbeck schon den vorherigenIntendanten, Grafen Wrbna, darauf aufmerksam gemacht, daß sich bei einemveränderten Modus in der Auszahlung der Lieferanten wenigstens 12.000 fl. jähr-lich ersparen ließen, allein solche Ersparungen wären mit einer Vereinfachungdes schleppenden Geschäftsganges verbunden gewesen, und dies zu bewirken, standweder in Herbcck's Macht, noch lag es in der Absicht derjenigen, welche dieMacht dazu gehabt hätten.
Der Personalstand des Theaters war allerdings ei» kolossaler. Wenn manaber bedenkt, daß auch das Hans ein großes ist, daß ferner zur Aufbewahrungund Instandhaltung des riesigen Vorrathes an Dccorationcn und Costnmen einegroße Anzahl von vertrauenswürdigen, gewissenhaften Personen unbedingt noth-wendig ist, so erscheint die bedeutende Höhe desselben ganz natürlich. DaßHerbeck — besonders vom niedrigen Personale — viele hätte entlassen und beivielen GehaltS-Neduetioncn hätte vornehmen können, um nur seiner VorgesetztenBehörde, die fortwährend ans Ersparungen drang, sich gefällig zu zeigen, istfreilich richtig. Ob er damit aber den Interessen des Institutes gedient habe»würde, ist eine andere Frage. Die Verhältnisse an einem großen Theaterbringen cs mit sich, daß oft in der Hand von ganz untergeordneten Personen(besonders in der Garderobe) Verschwendung oder Ersparung liegt, und beidiesem Personale sparen, hieße dem Institute mehr schaden als nützen. Es hatallerdings Thcatcr-Dircctoren gegeben, welche es i» diesem Pnnete nicht sogenau nahmen: sic ordneten rücksichtslos Entlassungen an, um den Personal-Etat zu verringern, ließen bei der Ausstattung neuer Opern entweder gar keineAnschaffungen vornehmen, wodurch das vorhandene Materiale in kurzer Zeitbis zur Unbrauchbarkeit abgenützt wurde, oder sie ließen neue Costüme, nurnur „billig zu arbeiten", aus den schlechtesten Stoffen ansertigen. Unter solchenUmständen war es freilich leicht, Abrechnungen anfznstellcn, welche glänzende„Ueberschüsse" ergaben, aber nach ein paar Jahren mußte sich die ganze Halt-losigkeit eines solchen „Sparshstems" offenbaren, und es soll wirklich vorge-komme» sein, daß der Vorrath an Materiale derart herabgckommen war, daßirgend eine alte, abgespielte Ncpertoire-Opcr einfach ans dem Grunde momentannicht dargestellt werden konnte, weil wichtige, dazu gehörige Costüme „verschnitten"worden, und in Folge dessen nicht vorhanden waren. Ein solches System derWirthschaft war Herbeck's ganzer Denkungsart zuwider: von der Hand im