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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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100.000 fl. bewilligt wurde. Damit war dem Theater auf die Dauer freilichnicht geholfen, denn eine Besserung der allgemeinen Geld-Verhältnisse konntevor der Hand nicht gehofft werden, und wenn die maßgebenden Persönlichkeitendiese Umstände stets oor Angen gehabt haben würden, so hätten sic die That-sache, daß im März 1875 der niedrige Cassastand ein neuerliches bedeutendesDeficit für das Jahr 1875 erwarten ließ, nicht so ungeheuerlich, sondern viel-mehr ganz natürlich finden müssen. „Schlechte Zeiten!" schrieb Herbeck auf einBlatt Papier, welches dem Verfasser vorliegt:

„Das Wiener Hos-Opcrnthcatcr hat in den Monaten December 1874und Jänner 1875 zusammen an der Abend-Cassa 100.000 fl. eingenommen,was mit Hinzurechnung der auf die Vorstellungen dieser Monate entfallendenAbonnements-Onote (ohne (Anrechnung der Subvention, welche der kaiserlicheHof gibt) das nette Sümmchen von über 153.000 Gulden ansmacht. Wieviele Theater mag es wohl in der Welt geben, die solche „schlechte Zeiten"nicht als sehr glückliche preisen würde»? Ob aber jene Einnahmen genügen,um den kolossalen Apparat der Wiener Hofoper bestreiten zu können — dasgehört freilich auf ein anderes Blatt."

Herbeck hatte bereits Ende October 1874 den Voranschlag für das kom-mende Jahr seiner Behörde vorgelegt. Es ergab sich, daß die voraussichtlichenEinnahmen des Jahres 1875, welche unter Berücksichtigung der mißlichen Ver-hältnisse des verflossenen Jahres berechnet worden waren, annähernd die Summevon 907.000 sl. erreichen würden. Diesen Einnahmen stellten sich Ausgabe»von 1,066.880 fl. entgegen, aus welcher Zusammenstellung sich ein Deficitvon 159.880 sl. ergibt. H

Die Frage, ob sich bei dem circa 800.000 fl. betragenden Personal-Etat,wovon circa 660.000 fl. lediglich ans das artistische Personale entfielen, etwas er-spare» ließe, mußte Hcrbcck verneinend beantworten. Selbst wenn inan annahm, daßdie Bezüge eines der vier ersten Tenoristen sich ersparen ließen, so war kein Zweifeldarüber vorhanden, daß der dadurch erübrigte Betrag kann: ausgcreicht Hütte, umhöhere unabwcislichc Anforderungen bei Erneuerungen von Contractcn erster Mit-glieder oder bei nicht zu vermeidenden Completirungen des Personales (z. B.Ausfüllung der damals einzig und allein durch Lay besetzten Fächer rc.) zu decken.

Das Hof-Operntheatcr brauchte also, um ehrenvoll bestehen und wirkenzu können, in runder Summe pro Jahr Eine Beillion hunderttausendGulden, das ist bei 300 Spielabenden durchschnittlich 2000 fl. pro Abend

Cassa-Einnahmen. 600.000 sl.

Abonnements-Einnahmen. 290.000 „

Kaiserliche Subvention. 210.000 „

zusammen 1,100.000 sl.

>) Die Ausgaben verthcilteu sich: auf den Personaletat 836.400 fl.

Anschaffungen . . . 58.800 „

Bctriebsanslagcn . . 164.040 „ rc.

Auf die Ausstattung einer größeren Ballet- oder Opern-Nodität war bei dieser Aufstellungkeine Rücksicht genommen.