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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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bei der Bühne beschäftigten College» begreiflicher Weise nicht angenehm, unddie in jenen Personen dadurch erzeugte Stimmung mit dein gewiß scheuenRespect vor den musikalischen Schwierigkeiten des Werkes vereint, bewirkte eineOpposition gegen Herbeck's Pläne und Ansichten, welche nur durch die Ent-wickelung einer gewaltigen Energie seinerseits bekämpft werden konnte.

Es darf allerdings nicht verkannt werden, daß die Zeit, in welcher dieMeistersinger studirt und scenirt werden sollten, einem solchen Vorhabennicht günstig war. Das neue Theater war eben erst fertig geworden, der Glanzdes herrlichen Hauses, die Pracht, mit welcher die darin zur Darstellunggebrachten Stücke in Scene ginge», hatte die Sinne des Publieums bald ver-wöhnt: alles drängte dem neuen Theater zu und niemand wollte mehr eineVorstellung im alten Hause anschen. Die Direction, welche, vielleicht gedrängt,bei Eröffnung des neuen Hauses die durchaus ungenügende Anzahl von siebenOpern und einem Ballet für dasselbe theils zur Verfügung, theils in Vor-bereitung hatte, mußte daher, um der Gefahr zu entgehen, vor leeren Bänkenim alten Hause zu spielen, nun so rasch als möglich Oper um Oper in's neueTheater tranSPoniren, und das war keine geringe Arbeit. Für jede zu über-tragende Oper mußten neue Dekorationen gemalt, neue Costüme augeschafft,die Sccnirung eines jeden Stückes mußte vom Grunde auf neu durchgeführtwerde», und auch die Abhaltung einer großen Anzahl musikalischer Probenwar zur Nothweudigkeit geworden. Es erscheint daher begreiflich, daß dieCapellmeister zu vermeiden trachteten, daß die Kräfte, welche sie für die vonihnen zu leitenden Opern bedurften, über das Maß von den Meistersinger-Proben in Anspruch genommen würden. Wie schon erwähnt, hatte Herbcck,trotzdem er keine der Schwierigkeiten verkannte, ungefähr eine dreimonatlicheFrist, innerhalb welcher er sich das Studium der Meistersinger möglichdachte, angegeben und zur Erreichung dieses Vorhabens die Anstellung einesellok «tu ellnut nach dem Muster französischer Bühne» und eines zweiten Corre-petitors zur Vorbedingung gemacht, >) während Esser schon vorher die Erklärungabgegeben hatte, daß er das Eiustudircu der Meistersinger in drei Monatensich nicht vorstelleu könnte, es überhaupt aber nicht für möglich hielte, wenn nichtmindestens die Darsteller der drei Hauptrollen aller andere» Opernleistungenenthoben würden. Diese Behauptung wurde von Herbeck gelegentlich einesvon: Fürsten Hohenlohe veranstalteten Diners lebhaft bekämpft, und er hatdurch die That bewiesen, daß er trotz seiner, ihm vielfach zum Vorwürfegemachten kknerfahrenheil in Theaterdiugen der Meinung ergrauter Fachmännergegenüber Recht behielt. Freilich hätte er es sich nicht einfallen lasse», daßEsser, entgegen der Anweisung jenes alten Römers: „daß weder mißdeuteteWorte noch unverfängliche Tischreden zu Verbrechen gemacht werden" (Tacitns),aus den, in Gegenwart einer großen Anzahl von Gästen gesprocheneil Worten

') Es wurde übrigens nur die Anstellung eines zweiten Corrcpetitors, Josef Sucher,genehmigt.