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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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„Lohengrin", welchen Wagner 1847 vollendete, kam am 28. August 1850in Weimar nnter Liszt znr ersten Anfführnng. In den folgende» Jahren brachtenihn viele deutsche Theater auf die Seme, und erst am 10. August 1858 erschiendieses Werk am Wiener Hof-Operntheater.") In noch ungünstigerem Lichteerscheint der Eifer der österreichischen Kunstbehördcn in Beziehung ans dieungeheuerliche Verschleppung der ersten Darstellung des „Fliegenden Holländer",welcher schon im Jahre 1843 in Dresden das Licht der Lampen erblickt hatte,während Wien nach Cassel, Riga, Berlin, Weimar, Schwerin und Prag erstam 18. November 1860 folgte. 2) Herbcck hatte schon früher, am 10. April 1859,in einem Conccrte des Wiener Münner-Gesang-Vcreines den Matroscn-Chordaraus als Novität gebracht.

Director Dingelstedt, ein Manu rascheren Handelns als seine Vorgängerim Amte, hatte gleich nach der ersten Münchener Aufführung den Plangefaßt, die Meistersinger dem Repertoire des Wiener Hof-Operntheaters einzn-verleiben und den ersten Capellmcister Esser mit dem vorläufigen Partitnr-stndium beauftragt. Die erste Aufführung war ursprünglich für den Herbst 1869in Aussicht genommen, welcher Zeitpunct Esser aus dem Grunde besondersgünstig erschien, weil die Sänger zum Zwecke ungestörten Studiums ihrerRollen die Sommerferien benützen konnten. Inzwischen erkrankte aber Esserernstlich, und es wäre daher wahrscheinlich auch die Saison 1869—70 ohneMeistersinger vorüber gegangen, würde nicht im September 1869 ein Beschlußder Direction die musikalische Leitung dieser Oper in die Hände Herbeck'sgelegt haben.

Herbeck's Behauptung, die er in de» ersten Tagen seiner Thätigkeit amTheater nnfsteltte: die Meistersinger könnten im Monat Jänner 1870 ans dieBühne gebracht werden, ohne daß deßhalb die dabei beschäftigte» Sänger durchlängere Zeit dem anderweitigen Dienste entzogen zu werden brauchten, stießsofort ans vielfachen Widerspruch bei seinen College». Freilich war Herbcckunvorsichtig genug, gleich offen anöznsprcchen, daß cs mit dem herkömmlichenEinstndircn der Rollen nicht nbgethan wäre in einem Falle, in dem eS sich um dieBewältigung ganz ungewöhnlicher Schwierigkeiten handelte, und daß die Künstlervon einem lebhafteren als üblichen Interesse ergriffen sein müßten, um somanches Hinderniß zu überwältigen. Er beantragte auch, theils ans rein prak-tischen Gründen, theils um einen edlen Wettstreit nnter den Mitwirkenden zuerregen, eine doppelte Besetzung aller Partien, eine Einrichtung, die nach undnach auch hinsichtlich des übrigen Repertoires Platz griff und sich als höchstzweckmäßig erwies. Derartige, ziemlich deutliche Hinweise auf vorhandene Miß-stünde von einem „Neuling" anhören zu müsse», war den schon Jahre hindurch

st Berlin folgte gar erst ein Jahr später. Johann Strauß spielte am Nachmittage des27. März 1853 znm ersten male ein Stück ans Lohengrin, n. zw. die Zwischenactmnsik,öffentlich in Wien. „Des Meisters^ Apostel in Wien". Jllnstr. Extrablatt 20. Nov. 1875.

9 Die Anfsnhrnngsdatcn bei Kästner Wagner-Katalog S. 12, 25, 31.