Herbeck's eine», gegen ihn gerichteten persönlichen Angriff erblicken konnte. Eslag wirklich nicht im entferntesten in Herbeck's Absicht, den Fähigkeiten oder garder Ehre des von ihm so hochgeschätzten Künstlers nahe treten zu wollen, undcs mußte ihn peinlich berühre», daß diese Angelegenheit zum Gegenstände einer,Zeit und Mühe raubenden, von Seite Herbeck's glänzend geführten schriftlichenPolemik gemacht wurde. *)
Kaum war die Leitung der Meistersinger Herbeck übertragen worden,als er nach Austheilnng der Nöllen sofort an die Proben mit den Sängernschritt. Es standen ihm vorläufig die Correpetitorcn Frank und Pfeffer, erstspäter auch Josef Sucher zur Verfügung, und es konnten daher täglich mindestenszwei Einzel-Proben abgehaltcn werden, bei welchen er zwar nicht immer zugegensein konnte, die er jedoch nach Thunlichkeit überwachte. Die erste Probe fandam 11. September mit dem Träger der Hauptrolle, Beck, unter Leitung desCorrepetitors Frank statt. Am 13. setzte Beck die Probe fort, am 14. kamPirk (David), am 15. Rokitansky (Pogner) an die Reihe, am 16. probirteuRokitansky und Beck zusammen, am 17. Walter (Walther) und Campe (Beck-messer). In dieser Weise geht es ununterbrochen fort bis zum 6. October, anwelchem Tage Fräulein Ehnn (Eva) die Proben beginnt. Nach und nach tretenauch die klebrigen, nachdem sie einzeln ihre Tüchtigkeit bewiesen haben, demEnsemble bei, und nachdem bis Ende November fortgesetzt Proben abgehaltcnworden waren, hätte Herbeck nun mit dem Orchester beginnen könne», wennnicht die Partitur des Werkes, deren Vorhandensein ihm sowohl der Archivarder Oper, Namens Fuß, als auch Dingelstedt selbst bestätigt hatten, im Momente,da Herbcck ihrer zum Studium beuöthigte, im Archive gefehlt haben würde.Das Buch kam erst in der zweiten Hälfte des Monates November in seineHände, und weil nun erst die zeitraubende Copiatnr der Stimmen beginnenkonnte, so war die Abhaltung der ersten Orchester-Probe erst am 17. Jänner 1870möglich; bis zu diesem Tage mußten, damit die Sänger das Gelernte nichtinzwischen vergäßen, täglich Vocal-Proben abgehalten werden. Es ging also inFolge dieser sonderbaren Ordnung im Archive ein ungefährer Zeitraum vonsechs Wochen für die Sache verloren.
Bei den Orchester-Proben befolgte Herbeck einen Vorgang, welcher beimEiustudiren schwieriger Stücke überhaupt zu empfehlen ist: er hielt mit derBlasharmouie und mit den Streichinstrumenten separate Proben ab, und erstals die technischen Schwierigkeiten — wenn man in eine Hornstimme derMeistersinger sieht, glaubt mau, eine Violastimme vor sich zu haben, pflegte erzu sagen — 2 ) y, Hauptsache überwunden waren, wurde die erste allge-meine Orchester-Probe abgehaltcn. Damit der Leser sich eine Vorstellung vonder Thätigkcit Herbeck's und seiner Künstlerschaar in den letzten Wochen vor derAusführung machen könne, folgt hier ein genaues Verzeichniß der Proben.
') Siehe Anhang S. 42 ff.
2) Die Hornisten wechselten in der Regel nach dem 2. Acte ab.