statt; sodann folgten Dresden, Dessau, Karlsruhe, Mauuheim und Weimar.
Es mußte jetzt der Dircctwn des Wiener Hof-OperntheaterS als eine Ehrcn-suche gelten, dieses hochbcdeuteudc Werk dem Publicum vorznführen. stinn istcs eine bekannte Thatsache, daß in Oesterreich eine gewisse Verschleppnngssuchtherrscht, von welcher auch, wie wir es an R. Schumann erlebt haben, diemusikalischen Machthaber sich nicht zu cmancipiren vermochten. Auch mit derVorführung der Schöpfungen Wagner'S beeilte man sich in Wien nicht allzu-sehr. „Tnnnhünser" war schon zwölf Jahre fertig, als erst Wien, dem Beispielevieler deutscher Städte folgend, dieses Werk einer sccuischcu Aufführung wür-digte, nachdem die Gesellschaft der Musikfreunde die Ouvertüre-) und Herbeckin einem Concerte des Männcr-Gesang-Bereines am 15. März 1857 den Pilger-chor daraus ausgeführt hatten. Wagner dankte damals dem Vereine für dieUebersendnng des üblichen Ehrcndncatens, welchem Danke er die Worte bei-fügte: „Es war das erste freundliche Zeichen, das mir ans Wien zn-kam." 3) Was Wagner schrieb, ist keine Phrase, sondern trockene Wahrheit.Kein Werk des damals schon 46jährigcn Componistc» zierte die Wiener Opern-bühne. „Tannhänser" war schon 1845 in Dresden, dann 1848 in Weimar,1852 in Wiesbaden und Breslau, in den folgenden Jahren in vielen andere»Städten, darunter 1853 in Leipzig und 1856 in Berlin aufgeführt worden,bevor er in Wien seinen Einzug hielt. Aber unter welch' mißliche» Umständen!Als nämlich die Direction des Kärntnerthor-Thenters das Aufführungsrecht desTannhänser erwerben wollte, mußte dieselbe von diesem Vorhaben abstehcn,da die Censurbehörde an der Unsittlichkeit (!) deö Textes Anstoß »ahm. DieFolge davon war, daß Privatspecnlation die Einbürgerung Wagner'schcr Musiki» Wien unternahm und Tnnnhünser am 28. August 1857 in dem nächstder Lerchenfclder Linie, im Jahre vorher erbauten Thalia-Theater zur erstenAufführung gelangte. Wenn man in Betracht zieht, daß dies eine Bühne war,auf welcher Stücke n, ln, „General Bein", dessen Hanpteffect in Kanonendonner,Todten und Verwundeten bestand, cnltivirt wurden uud ein dankbares Publicumfanden, so muß man es immerhin anerkennen, daß „Tannhänser" in einerziemlich anständigen Form anfgcführt und sogar beifällig ausgenommen wurde.Etwas später brachte das Josefstädter Theater die Oper zur Darstellung;^) erstam 19. November 1859 folgte die Hofoper dem Beispiele untergeordneter Vor-stadtbühnen.
') Kästner, Wagner-Katalog S. 69. f.
st Am 5. Februar 1854. Pohl Gesellschaft der Musikfreunde S. 193. Der Capelle derGebrüder Strauß gebührt das Verdienst, die Tannhäuscr-Onvcrtnre in Wien zum erstenmale gespielt zu haben, und zwar am 2. Jänner 1854 im Sophicusaalc, wiederholt am13. Jänner im Carlthcatcr. Mitthcilnng des k. k. Hofballmnsik-Dircetors Herrn Eduard Strauß.
st Brief Wngner's üäo. Zürich 1. April 1857, Archiv des Wiener Männcr-Gesang-Bereines.
st In diesem Theater erlebten auch „Hugenotten" und „Das Nachtlager von Granada"die erste Aufführung in Wien.