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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Vortag des Gebetes im 2. Acte war rührend, und sie ließ dabei in die ver-borgensten Tiefe» einer inbrünstig betenden Mädchenseele blicken. In Gesangund Spiel glanzte auch die Darstellerin des Aennchen, Fräulein Boschetti; derungekünstelte, einfache Vortrag der durch den figuralen Aufputz schwierigenGesangs-Stellen war eine Meisterleistnng für sich. Adams wirkte als Maxmehr durch poetische Erscheinung und edles Spiel, als durch vollkommenenGesang, dagegen war Schmidt ein sehr guter Caspar, der den Haupttrnmpfseiner Nolle, das Trinklied, unter donnerndem Beifall des Publicnms ans-spiclte. In späteren Aufführungen wurden die Nolle» abwechselnd auch vonandern Sängern dargestellt, aber dies galt für Herbeck als Hauptregel: selbstin den sogenannten „kleinen Partien" im Freischütz wie in anderen Opern wo-möglich erste Solokräfte zu verwenden. Der Bericht über die erste Vorstellungim neuen Hanse möge mit der Mittheilung einer charakteristischen Episode ab-geschlossen sein. Als die Gattin des Grafen Laurencin einmal schwer ertranktdarniederlag, schrieb Herbcck an denselben einen herzlichen Brief, worin erihm rieth, er möge, wenn er in schweren Stunden eines Trostes bedürfte, sichin die Erinnerung an die Cavatine ans Freischütz (^.s-änr 4. Act) versenken;er selbst finde in diesem herrlichen Musikstücke stets crmnthigendcn Trost. Undmerkwürdig! Gerade diese Cavatine war das einzige Musikstück, welches ihmwährend des Dirigircns überhaupt je langweilig geworden ist.

Mit der im Folgenden geschilderten Aufführung der Oper „Die Meister-singer von Nürnberg" von Richard Wagner bot Herbcck eine Leistung, dieauf seine weitere Laufbahn am Theater einen bestimmenden Einfluß nahm.

Als der Schriftsteller Ludwig Nohl, der bekannte eifrige VerfechterWagner'scher Ideen, gelegentlich der ersten Aufführung der „Meistersinger" inWien weilte, wurde er von Herbeck zu Tische geladen, und es versteht sichwohl von selbst, daß bei dieser amüsanten Mittagstafel diese Oper fast denausschließlichen Stoff des Gespräches bildete. Nohl äußerte hier zum nicht ge-ringen Erstaunen aller Anwesenden, die „Meistersinger" seien ohne Zweifel„das erste vollgiltige nationale Lustspiel, die erste wirkliche deutscheKomödie." 2 ) Wenn sich über diese Ansicht nun allerdings streiten ließe, sosteht cs doch fest, daß Wagncr's Meistersinger das bedeutendste musikalisch-dramatische Werk ist, welches in der neuesten Musikepoche geschaffen wurde unddaß daher unter allen Umständen an die größeren Opernbühnen Deutschlandsdie Verpflichtung herantrat, dasselbe anfznführen, sobald cs einmal derOesfent-lichkeit übergeben worden war. Wie in diesen Blätter» bereits erwähnt wurde,fand die erste Darstellung der Meistersinger im Jahre 1868 in München

>) Leider war dieser Brief trotz der eifrigen Nachforschungen des Grafen nicht zn Standezn bringen.

2 ) Diese Ansicht findet sich bestätigt in Rohl's „Gluck und Wagner" S. 41.