Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

263

war, cinr Oper Mozart's zu dirigircn, dieses NieistcrS, zu dem er seit seinerKindheit wie zu einem höheren Wesen anfblickte, welcher ihm stets ein flammendleuchtendes Vorbild, dessen hoher Geist ihm stets ein Führer war, mag fürihn ei» Festtag sondergleichen gewesen sein.

In Wien war es üblich, den „Figaro" statt in zwei, in drei Artenzu geben, n. zw. in der Einrichtung, daß der erste Act mit der Arie in O-änr„Dort vergiß dieses Flehen" abschloß. Außerdem hatten es die früherenDirektoren für gut befunden, die Partie des Bartolo durch Weglassungder charakteristischen Arie von der „Eselshaut", welche in Herbcck's Vorstellungvon Campe trefflich gesungen wurde, zu verstümmeln, sowie das reizende,das dramatische Verständniß der Situation erhöhende Duett zwischen Susannaund Cherubin (O-ünr) am Schlüße des 1. Actes zu streichen. Hcrbeck, welchersich nicht die Berechtigung znsprach, an der Originalform eines Meisterwerkes,wie „Figaro", etwas zu ändern, stellte die Oper wieder in seiner ursprüng-lichen Gestalt her.

In der Rolle der Gräfin führte Herbeck einen Gast, Fräulein Anna Busse(mit dem Thcaternamen Bosse) vor. Diese Sängerin, welcher ein wohlklingendes,gut ausgeglichenes, etwas verschleiertes Organ, eine ungesuchte Vortragsweiseund eine vortheilhafte Bühnencrscheinung eigen war, gefiel Herbcck bei derersten Probe derart, daß er sofort die Gräfin als ihre Antrittsrolle bestimmte.Wie das „Mädchen aus der Fremde" betrat sie die Bühne. Niemand kanntesie auch nur dem Namen »ach, und da cs außerdem niemandem eingefallenwar, Reclame für sie zu machen, so betrat sie die Bühne, ohne daß im Publicumauch nur das geringste Zeichen von Sensation wahrzunchmcn gewesen wäre. Aberbald wußte sie durch edlen Vortrag, durch das sympathische Wesen ihrer Stimmeund ihrer Person das Publicum zu fesseln, und ein Sturm von Beifall folgteihr bei jedesmaligem Abtretcn. Leider war die Bühnenlaufbahn der trefflichenKünstlerin eine ganz kurze. Fräulein Ehnn sang den Pagen znm Entzückenschön, und die Leistungen Bcck's als Graf, Mayerhofer's launige Darstellungdes Figaro und die meisterhafte Darstellung der Susanna durch Frau Dnstmannsind noch frisch im Gedächtnisse der Zeitgenossen erhalte». Daß Herbeck dasWerk seines Licblinges mit besonderer Begeisterung dirigirte, braucht wohl nichterst gesagt zu werden. Ein wahres Meisterstück lieferte das Orchester mit demVorträge der Ouvertüre, deren Schluß Herbcck ganz im Geiste Mozart's ineinem Presto-Tempo nahm, dessen rasender Flug nur durch das energischekünstlerische Wollen des Dirigenten, ein deutliches musikalisches Bild zu geben,gebändigt wurde.

Herbcck's dritte Oper war der „Freischütz". Seit 1821 am Repertoiredes Wiener Hof-Opcrnthcaters, hatte diese Oper die verschiedensten Phasen derEntwicklung dieses Institutes mitgemacht und in: Laufe der Zeiten die ver-schiedensten Behandlungswciscn ertragen müssen. Die Aufführungen im erstenJahre waren verstümmelte. Der Kaiser hatte das Schießen ans der Bühne