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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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sein Debüt gerade dieses Werk gewählt hatte, allein wer den MechanismuseincS Theaters kennt, wird wisse», das; ein Capellmeister, nehme er eine nochso cpceptioncllc Stellung ein, in solchen Füllen nicht willkürlich Vorgehen kann,sondern sich den Anordnungen der Thcatcrleitnng zu fügen hat. Trotzdem„Mignon" dem Personale ganz geläufig war, da die Oper ja schon seit geraumerZeit am Repertoire stand, veranstaltete Herbcck doch, znm nicht geringe»Erstaunen der Mitwirkendc», eine erkleckliche Anzahl von Proben. Außer sechsEinzclproben mit den Solisten fanden eine musikalische Gesammtprobe, eineSitzprobe mit Clavier,') außerdem eine separate Probe mit dem Chorpersonaleund zwei vollständige Thcaterproben, im ganzen also elf Proben statt.

Am 16. Oetober ging „Mignon" in Scene. Das alte Kürntnerthor-Thcater war bis ans das letzte Plätzchen gefüllt, und als Hcrbeck am Dirigcnten-pulte, von welchem aus er die Oper, gegen die Gepflogenheit der Capellmeister,nicht sitzend, sondern stehend, leitete, wurde er mit stürmischem Beifalle begrüßt,welcher sich nach der, mit wunderbarer Feinheit ausgeführten Ouvertüre wieder-holte. Die Leistungen des Orchesters während der ganzen Aufführung warenvorzüglich. Eine solch' discrete, dem Gesänge der Darsteller sich anschmicgendeBegleitung war man, besonders in Opern von dem minderen künstlerischenWerthc der „Mignon" in Wien nicht gewohnt, und schon mit dieser Leistungzeigte Herbcck, was ein Meister vermag. Einen noch überraschenderen Eindruckbrachten die Leistungen des Chores hervor. Die Pflege des Chorgesanges ansdiesem Theater war unter der Direetion Salvi'S derart vernnchläßigt worden,daß man mit Recht nur mißachtend von seinen, manchmal die Grünzen derMittelmäßigkeit weit überschreitenden Leistungen sprach. Das war mit einemmale anders, und wenn Herbeck auch nicht mittels einiger strenger Proben diedurch jahrelangen Schlendrian erzeugten Mißstünde gründlich abznstellcn ver-mochte, so erzielte er doch mit dem verhültnißmäßig guten Materiale die denk-bar anständigsten Resultate. Daß Herbeck im Laufe der Zeit den Opernchordurch fleißige Schulung, Ausscheidung unbrauchbarer Elemente und Aufnahmejüngerer Kräfte zu einer Körperschaft gestaltete, deren Leistungen von wahrhaftkünstlerischem Geiste erfüllt waren, wird gelegentlich wahrznnchmen sein. Herbcckkonnte mit seinem Debüt zufrieden sein. Die Stimmen der Oeffentlichkeit warensich darin einig, daß seine erste Leistung auf dem ihm neuen Gebiete der Bühneeine stannenSwerth gelungene war, und man erwartete nun von seiner Meister-schaft und Energie eine gründliche Reformirnng der musikalische» Zustände ander Wiener Oper. In der That wurden diejenigen, welche sich solchen Erwar-tungen Hingaben, nicht getäuscht. Mehr noch als in „Mignon" ward in derAufführung von „Figaro's Hochzeit" das Walten eines guten Geistes bemerk-bar. Der 6. Decembcr, der Tag, an welchem es ihm zum ersten male vergönnt

') In der „Sitzprobc" wird eine Oper mit sämmtlichcn Gcsangskräftc» auf der Buhnedurchgeuounucu, wobei die Darsteller jedoch nicht agircn, sondern, zweckmäßig vcrtheilt,sitzend ihren Part singen.