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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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solcher Darstellungen ist aber immerhin ein sehr fraglicher. Laube nennt siemehr ei» Nebeneinander als Miteinander", und Heinrich Anschütz, der dochgenau informirt sei» konnte, da er bei der ersten ähnlichen Unternehmung(l854 in München) mitspiclte, schildert die Nachtheile, welche dem Schauspielerin einer so ungewohnte» Umgebung, die er i» ein paar Proben nur nothdürftigkennen gelernt hat, erwachse», in überzeugender Weise.')

Bon München kam Dingelstedt nach Weimar und dort traf ihn dieBerufung nach Wie».Mein Mann ist von Weimar nach Wien hcrabgcstiegcn"äußerte Dingclstedt'S Frau, die ehemalige Sängerin Jenny Lntzcr. Wer glaubtdaS? Würde er bei dem Tausche auch nur einen Schritt nach unten habenmachen müssen, er wäre darauf nicht eingcgangcn. In Wie» erreichte er beinahealles, was sein Herz begehrte. Nach kaum zweijähriger Thätigkcit am Hof-Opcrnthcatcr wurde ihm gelegentlich der Eröffnung des neuen Hauses derOrden der eisernen Krone verliehe», 1871 ward er unter Ernennung znmk. k. Hofrathc Director des Bnrglheaters und gelegentlich des hundertjährigenJubiläums dieser ersten deutschen Bühne österreichischer Freiherr, nur seinsehnsüchtiges Ziel: General-Intendant der Hoftheater mit dem TitelEpcellenz"zu werden, blieb unerreicht.

Als Director der Oper hätte Dingelstedt mehr leisten können, als erfactisch geleistet hat. Obwohl ihm, wie schon bemerkt, der Sinn für Musikgänzlich abging, so besaß er dagegen andere, für einen Opcrndirector wichtigeEigenschaften. Großartige Bilder zu entwerfen und ihre Darstellung ans derBühne zu bewerkstellige», verstand er meisterlich, nur stellte sich der Nutzbar-machung dieses Talentes nicht selten eine Eigenschaft Dingelstcdt's entgegen:sein Hang zur Bcgnemlichkeit. Arbeiten war, wenigstens in Wien, seine Sachenicht, aber er hatte das Talent, den maßgebenden Persönlichkeiten glauben zumache», er sei der fleißigste Director, der jede Phase der Jnscenesctzung einerOper genau überwache und ans die Entwicklung derselben den thütigsten Einflußnehme. Wohl gab er seinen Plan dem Regisseur in große» Zügen zu erkenne»,kümmerte sich aber in der Regel um die Oper erst dann, wenn cs zur General-probe kam, während welcher er angesichts der geladenen Gäste minutiöseAndeutungen gab, Acndernngen befahl und Ausstellungen machte.

Er liebte es, stets den Cavalicr zu spiele». Wenn er Abends in seinerLoge saß die Bühne besuchte er während der Vorstellungen nur selten >so hatte niemand das Gefühl, daß Dingelstedt die erste Arbeitskraft im Hansevorzustellen habe, so vornehm sah er ans alles, was da vorging, herab. Immerließ er mehr die Hofschranze als den Director eines Theaters merken. Erveranstaltete > wie ein Minister im Winter eine Anzahl von Soiroen, zuwelchen an die hervorragendsten Persönlichkeiten aller Stände Einladungenergingen. An solchen Abenden wimmelte es in seinen Salons von bunten llni-

') Anschütz, Erinnerungen S. 442 f.