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Gefahr im weiteren Verlaufe des Abends jedoch zu entgehen, erklärte Herbccknach dem zweiten Satze des Lindner'schen ConccrteS, dasselbe um keinen Preiszu Ende dirigiren zu können, so das; Kletzer sich gezwungen sah, das Stück beiClavierbegleitung schlecht und recht fertig zu spielen. ') Anstatt nach dieserBlamage der Stadt Wien ruhig den Nucken zu kehren, hatte Kletzer die Unver-schämtheit, ein zweites Concert mit der Bemerkung anzukündigcn: „Wieder-holung des im ersten Concertc aufgefnhrtcn Violoncell-Eoncertcs von Lindncrans höchstes Verlangen mit Elavier."^) Dieser Hieb war offenbar Herbeckzngcdacht, aber er saß nicht, denn in Wien war man sich über Herbeck'S Fähig-keiten so weit einig, daß wohl niemand die Schuld an dem Vorfälle ihm zurLast legte. Ucbrigens ging Kletzer so weit, Herbeck das zngesagtc Honorar von100 fl. vorzncnthalten, und als dieser die Summe beim städtischen Bezirks-gerichte cinklagte, Zeugen zu stellen, welche eidlich aussagten, Herbeck hätte ihn:versprochen, das Concert unentgeltlich zu dirigiren. Daraufhin erfolgte die Frei-sprechung Klctzcr's und die Vcrnrthcilung Herbeck's zum Ersätze der Gerichts-kosten. Hcrbeck war über die Frechheit dieses „Künstlers" mit Recht derartempört, daß er es sich verbat, in seiner Gegenwart den Namen Kletzer zunennen.
Und nun noch ein Epilog aber ganz ohne Tragik. Der Singvcrein be-schloß nämlich, diesmal die Ferien nicht eintrcten zu lassen, ohne sich vorher fürdie Mühen und die Arbeit des Winters mit einem fröhlichen Feste entschädigtzu haben. Was dieser Verein noch nie unternommen: einen Ausflug in's Freie,sollte jetzt in Scene gesetzt werden. Wie kaum anders zu erwarten stand, fieldie Wahl des Reisezieles ans den Prater. Herbeck ging mit einigen Herren desVereines „hinunter", wie der Wiener sagt, ging von Wiese zu Wiese, um end-lich zu finden, was er brauchte. An einer der abgelegensten Stellen des Praterseröffnete sich seinen Blicken eine große, ringsum von dichtem Walde cinge-schlossene Wiese. Sic war glatt wie ein Tanzboden und der sic umgebendeWald auf einer Seite so dicht, daß er eine prächtige Schallwand bildete. Essollte nun eine ganz aparte Einladung an die Thcilnchmcr des Ausfluges ver-sendet werden, und Herbeck fand bald de» zur Verfassung einer solchen geeig-neten Mann. Dieser saß in einer dumpfen Amtsstube des alten Polizei-gebüudcs „am Peter" und hieß Josef Wehl — ein wahrer Hans Sachs, waspoetische Fruchtbarkeit anbclangt. Hcrbeck ging also zu Weyl und sagte zu ihm:„Lieber Freund, es handelt sich um dies und jenes, in ein paar Stunden mußich eine anständige, in Versen abgefaßte Einladung in die Druckerei trage».Also zeig' was Du kannst!" Im Verlaufe einer Viertelstunde war wirk-
0 Brief vom 17. April 1869, Anhang S. 83. Gelegentlich eines von Kletzer 1856 inDresden veranstalteten Conccrtcs ist in der neuen Zeitschrift für Mnsik 44. Bd. S. 192
zn lesen: „.er zeigte sich als Violoncellist von schätzcnswcrther Fertigkeit, ohne
jedoch ein höheres Interesse erregen zn können."
-) Neues FrcmdcnLlatt Nr. 112 I. 1869.