Druckschrift 
Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

lieh eine 48 Zeilen lange poetische Einladung zu Stande gebracht, welche mitdem aufrichtigen Wunsche für gutes Wetter schloß:

Sorgt, das; der Laubfrosch lustvcrlockt,

Auf seiner Leiter oben hockt,

Daß euer Hund ja nicht oeriucssenWagt Montags frühe Gras zu fressen,

Dann sollt Ihr Alle fröhlich seinIm Bunde mit dem Singvcrcin."

Der Hund wagte dies aber trotz der poetischen Warnung, und das Festkonnte erst zwei Tage später stattfindcn. Als die, mehrere hundert Personenzählende Gesellschaft auf dem reizenden, von Hcrbcck gleich einem alte» Schubert-liede aufgegrübclten versteckten Platze angelangt war, ging ein Murmeln derBefriedigung durch die Menge, denn nicht nur die Wahl des Ortes ward all-gemein gutgehcißcn, sondern man war auch einverstanden damit, daß dem Um-sichgreifen von Hunger und Durst in mehr als genügender Weise vorgebengtwar. Da stand ein Leiterwagen, von dem eben ein großes Faß frischen Bieresabgcladen wurde, dort war ans Brettern ei» provisorisches Buffet errichtetworden, welches Schinken, Wurst, Brot, ja sogar Eis und Zuckerwerk dieschwere Menge bot ad ovo uscino mala, für alles war gesorgt. Undhinter der Bretterverschanzung stand Herbcck's Frau, welche gewissermaßen dieHanswirthin vorstcllte, mit zahlreichem Personale und ward nicht müde, denAnforderungen aller Labung Bedürftiger fort und fort zu genügen.

Nach kurzer Ruhe betrat, da Ludwig Gabillon verhindert war zu komme»,Hcrbcck den Leiterwagen, das einzige vorhandene Möbel, welches eine Redner-bühne vorzustellen geeignet war, um den ebenfalls von Wehl verfaßten, rechtherzlichen Prolog, eigentlich eine Apostrophe an die Vogelwclt, vorzutragcn.Seidheute unser Publicum!" bittet der Dichter und

Nehmt huldreich auf, was liebreich wir geböte»,

Verzeiht, wen» Ihr so Manches nicht begreift,

Wir singen nämlich knnstdrcssirt nach Roten,

Wie selten einer Eurer Brüder pfeift."

Nun wechselten Sang und Tanz, zu welchem ein kleines improvisirtcsOrchester aufspieltc, im bunten Durcheinander ab, und so ergötzlich waren diefrischen Frühlingslicder anznhörcn und so prächtig tanzte cS sich ans dem grünenWicsen-Pargnet, daß Stunde um Stunde verrann, und man wußte nichtwie die Dämmerung hcreinbrach. Jetzt wurde noch ein kleines Feuerwerkabgebrannt, und dann rüstete man sich zur Heimfahrt. Es war ein reizendes,duftiges Waldmärchen, das man hier durchlebt hatte. Vielleicht kam Hcrbcckdieses Märchen nach Jahren wie ein Traum aus vergangenen Zeiten in denSinn, als er seineKünstlcrfahrt" schrieb. Vorderhand war der schöne Traumzu Ende geträumt. Herbeck sollte bald einen nur zu realen Boden betreten. Dochdarüber in dem folgenden Abschnitte.