Sehr nnangcnehm ward Herbeck durch die Austragung eines Streites berührt,gerade iu einer Zeit, in welcher er sich in Folge der übermäßigen Anstrcngnngenin einer hochgradigen nervösen Erregtheit befinden mußte. Es war nämlich seitAnbeginn seiner öffentlichen Thätigkeit Herbcck'S Wunsch gewesen, die General-proben zu den Conccrtcn in Abwesenheit einer großen Zuhörerschaft abhaltcnzu können. Freilich mußten Leute wie Kritiker und eifrige Musikfreunde esals eine Wohlthat betrachten, insbesonders neue Werke durch öfteres Anhöre»genauer kennen zu lernen. Diese geringe Anzahl von Menschen hätten wohlauch in keiner Probe irgend eine Störung hcrvorgcrnfen. Die Anwesenheit vonLeute», welche jedoch blos Neugierde oder Plauschsncht in die Proben führt,brachte oftmals empfindliche Störungen hervor. Hcrbcck donnerte bei jeder sichbietenden Gelegenheit gegen diesen Unfug und erreichte cs endlich, daß bei derGeneralprobe der „Elisabeth" die Knrtenansgabe auf ein Minimum, rcducirtwurde. Die Folge dieser Maßregel war, daß viele von den Abgcwicsencn Zeterund Mordio schrien ob ihrer „verkürzten Rechte" und die Protection befreundeterDircctions-Mitgliedcr in Anspruch nahmen, um endlich doch in den Saal zugelangen.
Der Saal war diesmal daher erst recht angcfüllt. Einige Herren undDamen aber, deren Wunsch nach Erlangung von Eintrittskarten nicht erfülltwerden tonnte, beklagten sich nn» bei der Direktion ob dieses „ungerechtenVorgehens". Der Präsident I)r. Franz Egger fand, ohne Herbeck zuvor ange-hört zu habe», sich veranlaßt, diesem einen langen, von den bittersten undungerechtfertigtsten Vorwürfen strotzende» Brief zu schreiben, wodurch Hcrbccksich umsomehr verletzt fühlte, als der Brief von einem Manne geschrieben war,dessen Verdienste er wohl zu schützen wußte. Die Antwort, welche er Eggerertheilte, zeugt von Herbcck'S geradem Sinne und seiner Fähigkeit, Maß zuhalten, wenn er auch einen recht entschiedenen Ton anschlug. >)
So wäre die harte Campagne Überständer: gewesen, Hütte sie nicht nochein tragikomisches Nachspiel gehabt. Ein Violoncellist, der sich Fern Kletzer undKammervirtuose irgend eines deutschen Duodezfürsten nannte, war nach Wierrgekommen, um zu concertircn. Er bat Herbeck wiederholt, die Leitung seinesEoncertes zu übernehmen, was dieser jedoch entschieden ablehnte. Als aberKletzcr seine Bitte immer dringender vorbrachte, gab Herbert endlich nach.Das Conccrt fand am 16. April statt. Bei der Probe merkte Herbert, daßKletzer sehr nnsicher spielte, was dieser jedoch mit einer hochgradigen Aufregungund einem heftigen Schmerze in der rechten Hand entschuldigte. Beim Eoncertc,meinte er, würde alles gut von statten gehen. Hcrbcck sollte seine Vertrauens-seligkeit beinahe büßen. Kletzer gericth nämlich beim Eoncertc während desSpielens eines schwierigen Stückes von Lindner dergestalt außer Rand undBand, daß das Verhindern eines gänzlichen Umwerfens des Orchesters nur derGeschicklichkeit und Geistesgegenwart Herbcck'S zu verdanken war. Um dieser
>) Brief vom 17. April 1869, Anhang S. 81 ff.