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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Eine Unzahl von Proben gingen der Aufführung voraus. Als Beweisdafür, welche Begeisterung Hcrbeck für das Werk fühlte und welchen Stolz erin eine vollkommene Darstellung desselben setzte, kann angeführt werden, daßer, von dem Ergebnisse der Generalprobe nicht vollkommen zufrieden gestellt,am Tage der Aufführung um 8 Uhr Morgens noch eine Scparatprobe mitdem Singvcreinc abhiclt. i)

DieElisabeth" ist kein Oratorium im hergebrachten Sinne. So leichtman etwa Mchnl's OperJosef und seine Brüder" durch eine ConcerUAufführung in ein Oratorium umgcstalten könnte, so leicht könnte dieElisabeth"nach Bornahmc einiger musikalischer und textlicher Acndernngcn durch die Vcr-Pflanzung ans die Bühne zu einer Oper gemacht werden, denn wie dort dasepische, herrscht hier das dramatische Element entschiede» vor. Das Oratoriumist ein hochbedeutendcs Werk und ohne Zweifel die hervorragendste und klarsteder großen Tonschöpfnngen Franz Liszt's. Mit Ausnahme einiger hhper-descrip-tivcr Stellen (z. B. der Sturm in Nr. 4) herrscht klare Diction, ja nicht seltenansprechende Melodie vor, prächtige Themen charakterisircn eingehend und tref-fend die Personen und Situationen, und die Behandlung des Orchesters isteine meisterhafte. Solche Umstande lassen es daher begreiflich erscheinen, daßder persönlich anwesende Meister einen wahren Triumph feierte. Nach jederNummer mußte er sich von seinem Sitze erheben, um für die Zeichen des Bei-falles zu danken, am Schlüße aber wurde er ans das Podium gestürmt undempfing von dort ans die begeisterten Huldigungen einer zweitansendköpfigcnMenge. Herbeck schildert den Verlauf des Concertes mit einigen Worten:

Der Erfolg übertraf meine kühnsten Erwartungen. Gleich nach derJnstrnmentaleinleitung ungeheuerer Applaus: so ging es nach jeder Nummerund nach den Abthcilnngsschlüsse» nahmen die Hervorrufe Liszt's kein Ende.Daß das Publicum auch mich und zwar in ganz außergewöhnlicher Weise aus-zeichnete, hat mich wahrhaft ergriffen. Mich hat die ganze Geschichte schrecklichhergenommen. Stnndhartner zahlte bei mir nach Schluß der Aufführung nur140 Pulsschlägc und wahr sehr besorgt um mich. Gott sei Dank, es gingglücklich vorüber." 2)

Der riesige Erfolg derElisabeth" veranlaßte die Gesellschaft der Musik-freunde, eine zweite Aufführung dieses Werkes (am 11. April) zu veranstalten,deren Erfolg den der ersten, was kaum möglich schien, noch überbot. DerCassenerfolg war, obwohl wir mit vorangehenden prachtvollen Sommcrtagenund am Tage der Aufführung mit deinFrcndcnaner Pferderennen" zu con-cnrrircn hatten, eine Einnahme von über 1800 fl., Ausgaben unbedeutend."^)

>) Mittheilungen eines Mitgliedes, Wiener Salonblatt November 1877.

-) Brief vom 17. April 1869, Anhang S. 82 f. Liszt, der Componist, erlebte wirklicheinen vollständigen Triumph.Seit heute glaube ich an Liszt" soll ein alter orthodoxerMusiker zu dem Kritiker Rudolf Hirsch, der selbst kein eifriger Kämpfer für die ncitc Richtungwar, nach Schluß des Concertes geäußert haben. Wiener Zeitung vom 12. April 1869.

'') Brief vom 17. April 1869, Anhang S. 83.