Der Wunsch Kaulbach's, daß Makart der Fürstin Hohenlohe vargestelltwerde, konnte nicht sofort erfüllt werde», da die Prinzessin zur Zeit nicht inWien weilte. Inzwischen war Herbeck für den junge» Künstler insoferne thätig,als er Kaulbach's Brief Malern, Kunstfreunden und Schriftsteller» „als einbcneidcnswcrthes Adelsdiplom zeigte, und dadurch viele Unschlüssige und Zweiflerzu Verehrern Makart's uingestaltcte." Dieser fühlte sich von den Reizen derStadt Wien dermaßen angezogcn, daß er bald den Wunsch äußerte, hier seinenfesten Wohnsitz zu nehmen. Die Hnnptschwicrigkcit, welche sich indeß der Aus-führung dieses Wunsches entgegenstcllte, war Makart's Mangel an Mittelnzur Beschaffung eines räumlichen, lichten, überhaupt geeigneten Ateliers. Dochwurde Hcrbcck bald ein seither verstorbener Banguicr als der Mann bezeichnet,welcher sich allenfalls bereit erkläre» würde, den nöthigcn Fond zur Erbauungeines, Makart's Zwecken entsprechenden Ateliers zu widmen. Der UcberrednngS-gabc Herbeck's gelang es auch bald, den eitlen Gcldmann zu einem halbenZugeständnisse zu bringen, als dieser jedoch die Summe aussprcchc» hörte,welche für den Bau eines solche» Gebäudes nothwcndig war, schlug er seineUnterstützung rundweg ab. Inzwischen war Fürstin Hohenlohe nach Wiengekommen, und Hcrbcck säumte nicht, Kaulbach's Wunsch zu erfüllen. Glücklicher-weise erregte das Talent Makart's derart das Interesse und die Theilnahmcdes kunstsinnigen Fürstcnpaares, daß Hcrbcck den Fürsten zu ersuchen sichgetraute, er möge seinen Einfluß beim Kaiser dahin verwenden, daß demjungen Künstler ein geeigneter Platz in einer der vielen hvfärarischen Räumlich-keiten zu künstlerischen Zwecken eingerünmt werde. Der Monarch antworteteauf den im Sinne Herbeck's gestellten Antrag des Fürsten mit einer, in An-betracht der früher bei Hofe in ähnlichen Angelegenheiten bestandenen Engherzig-keit der Anschauungen, kaum zu erwartenden, wahrhaft kaiserliche» Munificenz.Dem Künstler wurde auf Befehl des Kaisers ein Gebäude im ehemaligenkaiserlichen Gnßhansc auf der Wieden mit der Bestimmung überlassen, aufKosten der Privatcassa des Monarchen in ein geeignetes Atelier umgcstaltct zuwerden; außerdem wurde ihm ein reizendes Hänschen sammt dazu gehörigemGarten als eigene Wohnung angewiesen.
Makart's Glück war mit einem Schlage gemacht.
Der junge Künstler war Bräutigam. Run, da ihm auch das eigene Heimnicht fehlte, brachte er die AuSerwähltc seines Herzens bald als seine Gattinnach Wien. Sic war eine einfache, weder körperlich noch geistig bedeutende Frau.
schrieb: „Meinem lieben hochverehrten Freunde Kapellmeister Herbcck dieses Tantaradei zurholden Erinnerung an Starcmberg und München. W. Kanlbach." Ans die linke Seitezeichnete Kanlbach das ob solcher Sündhaftigkeit der Welt Schwefel nnd Pech von Himmelherabflehende „Münchener Kindel", darunter steht die Jahreszahl 1868. Kanlbach, welcherdie Widmung vor Herbeck's An gen ans das Blatt hinwarf, schrieb Kappelmcistcr, woraufHerbcck um die Entfernung deS vermuthlich in der Eile hincingcrathcnen zweiten p ersuchte,was Kanlbach mit dem Ausrufe: „Verfluchte Zerstreutheit" lächelnd auch sofort that.