Schöne, große schwarze Augen und üppiges dunkles Haar verliehen ihr einigesInteresse, während ihr natürliches, bescheidenes Auftreten sie recht liebenswürdigerscheinen ließ. Wie Hcrbeck dem Künstler zur Gründung seines Heims vcr-holfcn hatte, so leistete Herbeck's Frau H dessen Gattin all' die kleinen aberwerthvollen Hilfen, welche einer Frau, die eben ihren Hausstand einrichtct unddie in dergleichen Dingen nicht oricntirt ist, unentbehrlich sind. Und so entspannsich zwischen den Frauen wie zwischen den Männern ein angenehmes und, wiees schien, unzerreißbares Freundschaftsverhältnis^. Makart's Frau starb leiderschon nach wenigen Jahre», und ihr Tod schien den Anstoß zu einer Ent-fremdung der Männer gegeben zu haben. Makart's Ruf wuchs von Tag zuTag. Der Künstler ward mit Bestellungen überhäuft, seine große» Schöpfungengingen zn horrenden Preisen ab: das Geld flog ihm beim Fenster herein.Matart arrangirte großartige Festlichkeiten und sein Haus wurde znin Sammel-pnnct von Künstlern, Künstlerinnen, Aristokraten und vieler schöner FrauenWicn's. Wenn das Glück sein Füllhorn in solch' verschwenderischer Weise überein armes Menschenkind anSschüttet, so kommt cs wohl nicht selten vor, daßdieses im Taumel der Freude derjenige» vergißt, deren Fürbitten die launischeGöttin zuerst willig Gehör schenkte. Dies schien bei Makart der Fall gewesenzu sei». Herbeck, eine überaus feine Natur, fühlte sich durch einige VerstößeMakart's derart gekränkt, daß er nie mehr sein Haus betrat, ja überhauptnicht mehr mit ihm verkehrte.
Gleich nach dem Künstlcrfeste begab sich Hcrbeck nach Marburg, um einerEinladung, seinen Chor „Deutschland" beim dritten steirischen Süngcrbnndfcstc(am 6. September 1868) zn dirigiren, nachzukommcn. Die Wirkung des Stückes,welches von alle» Sängern mit Begleitung einer Blechharmonie vorgctragenwurde, war eine imposante. Beim Festmahle brachte Hcrbeck einen Trinkspruchans. 2 ) Er kehrte sofort wieder nach Wien zurück, wo die Vorarbeiten znmJubiläum des 25jährigen Bestehens des Wiener Männer-Gesang-VereineS seineAnwesenheit dringend erheischten.
Da gemäß eines Vereins-Beschlusses jedes äußere Gepränge, öffentlicheAufzüge rc., vermieden werden sollten^), so mußte, um die Feier zn einer derBedeutung der Gelegenheit würdigen zn gestalten, umsomehr Fleiß ans die künst-lerische Ausführung des Programms verwendet werden. Die Momente dcSFestes sollten folgende sein: Begrüßung der Gäste bei eincr Liedertafel, eine
>) Bei dieser Gelegenheit darf es nicht unerwähnt bleiben, daß Hcrbccks Gattin dieeigentliche Erfinderin der sogenannten „Matart-Bongnets" war. Dieser Frau war dieGabe eigen, ein Zimmer mit wenigen Mitteln geschmackvoll zn dccorircn. So kam sic einstauf die Idee, eine größere Menge von Schilfrohr und Gräsern vom Lande mitznbringen,in Garben zn binden und in Vasen zn stellen. Als Makart einmal zn Besuche kam, war ersehr erstaunt über diesen Zimmcrschmuck und brachte bald darauf einen ähnlichen in seinemAtelier an. Von dort fanden die „Makart Bongnets" bald den Weg in die Ocffcntlichkeit.
-) Grazer Tagespost Nr. 206 I. 1868.
-') Jahres-Bcricht 1868 S. 28.