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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
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Run hatte Hcrbeck nichts eiliger zu thun, als Wien ans ein paarWochen zu verlassen. Nach Zigeuncrart durchzog er mit den Seinen Ober-steicrmark, aber bald mußte er das ihm so zusagende Wanderleben auf-gebcn, denn die Pflicht, oder eigentlich sein Ehrgeiz rief ihn nach Wie».Dort waren die deutschen bildenden Künstler zusammen gekommen, unddiese Bereinigung war mit einer Ausstellung bedeutender Erzeugnisse deutscherKunst verbunden. Hcrbeck war an dem Feste nur insoferne thätig betheiligt,als er bei der Liedertafel, welche zu Ehren der Gäste veranstaltet wordenwar, einige Chöre dirigirte. Aber seine Liebe zu den bildenden Künsten machteihn zu einem, die Bedeutung der Bereinigung so vieler hervorragenderMänner erkennenden, die geistige» Festesfreuden lebhaft mitfühlenden Theil-nehmer. Herbeck, der wohl für alle Kunsterschcinnngcn ein tiefes Verständuißbesaß, hatte gerade seit letzter Zeit der Malerei ein ungemein reges Interesseentgegengcbracht. Schöne Bilder zu besitze», war von jeher sein sehnlichsterWunsch gewesen, und im Frühling 1868 sollte sich eine Gelegenheit bieten, daßer um verhältnißmüßig billiges Geld in den Besitz einer größeren Sammlungvon solchen kam.

vr. Rudolf Hirsch, mit welchem er seit längerer Zeit befreundet war,bot ihm nämlich seine sämmtlichen Bilder zum Kaufe an. Hirsch war einerder merkwürdigsten Gestalten der Wiener Schriftstcllerwelt. Mit hervor-ragend wissenschaftlicher Bildung verband er einen feinen poetischen Sinn,der in mehreren Bänden trefflicher Gedichte, worunter der „Irrgarten derLiebe" wohl der reizendste ist, schönen Ausdruck fand. Er stand in Staats-dienste» und, nach jahrelangem Aufenthalte in Italien nach Wien zurückgekehrt,übernahm er das Mnsik-Ncferat für die kaiserliche Wiener Zeitung („WienerAbcndpost"). In dieser Eigenschaft hatte er Gelegenheit, seine glühende Ver-ehrung für Hcrbeck's Künstlerthum öffentlich zu bethätigen; oft konnte manseine Berichte über dessen Thätigkcit keine Kritiken mehr nennen, in solch'überschwänglichem Tone waren sie geschrieben. „Allerliebster HcrzcnS-Wolferl"und ähnlich überschnell er die an Hcrbeck gerichteten Briefe, in welchen er oftderart confnses Zeug durcheinander warf, daß jener häufig ansrief: „Ichglaube, Hirsch wird noch ein Narr!" Wie kindisch überspannt Hirsch seinkonnte, beweist die sonderbare Summe, welche er für seine „Galerie" forderte:2222 fl. 22 kr., nicht mehr und nicht weniger. Er ließ sich indcß bewegen, dieSumme ans rund 2000 fl. zu ermäßigen, und Hcrbeck erhielt dafür, nebenvielem Mittelmäßigen, eine Reihe prächtiger Bilder: Einige Ganermann,worunter eine gelungene Schimmel-Mähre, ein reizender Kindskopf von FriedrichAmmerling (Studie), ein großes schönes Marinebild von Püttner, eine Land-schaft in der Manier Nonsscan's, Werke von Dannhanscr, van Haanen,Schelfhout re. Mit nicht geringem Stolze zeigte er seinen Freunden die Schätzeseiner „Galerie", welche, wie später noch erwähnt wird, im Laufe mehrererJahre sich namhaft vermehrten.