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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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samkeiten zu erweise», und die Zeit zwischen Diners, Soirven rc. füllte derBesuch der Kunstsammlungen, Studien auf der Bibliothek, Ausflüge in dieUmgebung in der schönsten und heiterste» Weise aus.

Wien rüstete inzwischen zu einem nationalen Feste: dem dritte» deutschenBnndeSschießen. Es hätte den von nah und fern herbcigcströmten Gästen eineder prächtigsten Specialitäten des Wienerthumes verbergen geheißen, würdeman daS Fest nicht auch mit Sang und Klang verherrlicht haben. EineMonstrc-Liedertafel der Gesangvereine Wien's und der Umgebung am 31. Juli(circa 900 Sänger) bot eine Fülle der schönsten deutschen Lieder: „Loreley",Schubert's „Nacht", „Schwcrtlied", „Das deutsche Lied" unter Herbeck's Leitung.Nach dem Vortrage des von ihm harmonisirtcn Kärntner Liedes -,,O Diandlc"gestaltete sich der Beifall des ungefähr 15000 Köpfe starken Pnblicnms zueiner demonstrative» Huldigung für den Dirigenten. Schwerlich dürfte Herbcckvorher, ein anderer Dirigent aber sicherlich nie eine solche Ovation erlebthaben. Das Lied, welches hier vor den Vertretern aller Gaue des deutschenVaterlandes angestimmt wurde, mußte wiederholt werden, und nach der Wieder-holung ging ein wahrer Orcan von Beifall los. DaS Publicum erhob sich vonden Sitzen, die Halle erdröhnte vom Geklatsche und von Hochrufen, und dasPublicum ruhte nicht eher, als bis die Sänger ihrem Führer ein dreimaligesmusikalisches „Lebehoch" dargcbracht hatten. Als darauf mehrere DamenHerbcck Bouquets überreichten, erhob sich abermals stürmischer Jubel. DieOvation dauerte beinahe eine Viertelstunde. >) Auch in der Special-Liedertafeldes Wiener Männer-Gcsang-Vcreines am 4. August errang Herbeck mit deinanderen Kärntner Liede, „Lippizbach", einen solchen Erfolg, daß er — einerWiederholung vorbeugend — das „Diandlc" daraufgab.-) Bei einer dieserLiedertafeln erregte bei der Production einer Militärcapelle das ganz aus-gezeichnete Spiel eines Flngelhornisten derselben Herbeck's Bewunderung insolch' hohem Grade, daß er sofort im Schoße des Festcomitvs, dessen Mitglieder war, eine Sammlung einleitcte, für deren Ergebnis; er de» Ankauf einesals Schützenpreis ausgesctzten vorzügliche» Flügelhornes beantragte und dasInstrument dem überraschten Feldwebel-Künstler als Geschenk übergab. DerMann hieß Toms, ist heute Mitglied des Opernorchesters und gewiß der ersteTrompeter Wien's. Dieser Zwischenfall ist nur ein Beweis für Herbeck's Fähig-keit, andere Talente sofort in richtigem Maße zu würdigen. ^)

') Jahres Bericht des Wiener Mnuner-Gcsang-Vcrcines 1868 S. 56. „Neues Frcmden-blatt" Nr. 210 I. 1868 rc. rc. Wie armsälig und der musikalischen Ehre Wiens wahrlichnicht günstig nahm sich dagegen die Monstrc-Liedertafel bei Gelegenheit des österreichischenSchützenfestes in Wien im Jahre 1880 ans! Muß die Abhaltung derselben im Freien schonals ein großer Fehler betrachtet werden, so war die Wahl der Dirigenten eine gründlichverfehlte. Von einer Begeisterung des Pnblicnms keine Spur. Es war eine trostlose Mani-festation der Mittelmäßigkeit.

-) Jahres-Bericht 1868 S. 57.

y Mittheilung des Herrn Toms und mehrerer Zeugen.