vorlicgt, endlich dic stellenweise zn dicke Fnstrumentirnng sehr gut nnd ver-schwieg sie ihm mich nicht. Die von Herbeck gehörig gekürzten und von denübrigen Fehlern möglichst befreiten Miessen Brnckner'S mochten denn auch inder Hofeapclle stets den besten Eindruck. Noch einer Probe seiner 6-moll-Symphonie, die in einem Gesellschnfts-Coneerte zur Aufführung gelangte, sagteHerbeck zn dem Componisten: „Noch habe ich Ihnen keine Eomplimente gemacht,aber ich sage Ihnen, wenn Brahms im Stande wäre, eine solche Symphoniezn schreiben, dann würde der Saal deniolirt vor Applaus." Knrz vor seinemTode spielte er mit dem Componisten dessen vierte (romantische) Symphoniedurch nnd machte, tief ergriffen von den Schönheiten des Wertes, die Bemer-kung: „Das konnte Schubert geschrieben haben; wer so etwas schaffen kann,vor dem mich, man Nespcct haben." h
Nach kurzem Aufenthalte in Wien begab er sich nach München, um einerVorstellung der „Meistersinger", welche von Wagner persönlich in Scene gesetztwurde, beizuwohnen. Zu diesem bedeutenden Ereignisse hatte sich eine großeSchaar von Künstlern ans allen Gegenden Enropa'S eingefunden. Der opern-feindliche Operndireetor Dingelstedt, Franz Esser, welcher dazu bestimmt war,die „Meistersinger" künftigen Falles in Wien zn leiten, Otto Dessoff, derEapellmeister Pasdeloup ans Paris, dessen Bestrebungen, die Wagner'sche Musikin Frankreich populär zn machen, bekannt sind, die Meistersänger Nieinann undTichntschek, der geniale Interpret Wngner'sclM Musik, Tanssig, der später dieRiesenarbeit eines Elavierausznges der „Meistersinger" unternahm, und anderewaren gekommen, um Zeugen zu sein von der ersten Darstellung eines Werkes,von welchem die allzeit bereite Fama zn berichten wußte, daß es eine Aus-führung nicht überlebe» werde. Und doch erlebten die „Meistersinger" einenbeispiellosen Erfolg. -) Freund und Feind mußte ja den Genius, welcher sich indieser grandiösen Schöpfung kund gibt, erkennen und bewundern.
Herbeck konnte der ersten, am 24. Juni stattgehabten „Meistersingers-Aufführung nicht beiwohnen. Er reiste erst am 26. Juni von Wien ab, bliebam 27. in Salzburg nnd langte am folgenden Morgen in München an. Amselben Abende hörte er sich die „Meistersinger" an. Er schildert den Eindruck,den das Werk auf ihn hervorbrachte, nur in einige» Worten: „Die Aufführungwar meisterhaft und mir ungemein interessant, der Eindruck bedeutend.
Die Tage in München vergingen angenehm. Die gastlichen FamilienKanlbach und Perfall überboten sich darin, Herbeck alle erdenklichen Ansmerk-
y Mitthcilungcn des Herrn Bruckner. Obwohl ich keinen Augenblick zweifle, daß dieseMittheilnngen auf Wahrheit beruhen, so würde ich dennoch Anstand nehmen, sie hier wiederzugeben, weil mich der berechtigte Vorwurf, ans einer parteiischen Quelle geschöpft zu haben,treffen könnte. Judeß wissen sich viele Personen nnd ich mich selbst genau zn erinnern, daß Herbecksolche nnd ähnliche Vergleiche nicht einmal, sondern häufig angestellt hat. Der Verf.
2) Ludwig Nohl, Neues Skizzenbnch S. 362 und 392.
h Aus einem, im Anhänge nicht abgedrnckten Briefe an seine Frau vom 29. Juni 186F.