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Heiterkeit uuicr den Aiitgliedern der Prüfungs-Commission bemerkbar. Endlichfaßte sich Brnckner und begann die Jntrodnctioil, welcher die geradezu genialdurchgeführte Fuge folgte. Nach Beendigung derselben wurde er herzlichst be-glückwünscht und ihm noch die Gelegenheit zu einer freien Phantasie gegeben.Natürlich war die Commission von den Leistungen Bruckucr'S mehr als befrie-digt und erthcilte ihm ein glanzendes Zeugnis;. Von dieser Zeit angcfangenließ Herbeck den genialen Contrapuuetistcu und Orgelspieler nicht mehr ausden Augen. Im Jänner 1867 führte er, wie schon erwähnt wurde, seine Messein v in der Hofcapelle ans und ließ ihm zu Ostern 1868 durch eine Mittels-person sagen, ob er denn keine Lehrerstelle am Wiener Conserbatorium an-strcben wolle. Nachdem Bruckner dies durchaus nicht thun wollte, so nahmHerbeck selbst, nachdem er in Wien die uöthigcn Schritte eingcleitct hatte, dieAngelegenheit in die Hand. In Linz augekommen, begab er sich sofort zuBruckner und trat mit ihm gemeinschaftlich die Fahrt nach dem nahe gelegenenKloster Snnct Florian au. Auf dem Wege dahin entledigte er sich des inBetreff Bruckner's erhaltenen Mandates der Gesellschaft der Musikfreunde undfügte hinzu: „Gehen Sie aber nicht, so reise ich nach Deutschland, um draußeneinen Fachmann zu acqnirircn, ich meine aber, daß es Oesterreich zur größerenEhre gereiche, wenn die Professur, die Sechter früher versehen, von einem Ein-heimischen bekleidet wird." Nachdem Bruckner die wunderbare große Orgel imStifte gespielt hatte, kehrten beide wieder nach Linz zurück. *) Bruckner nahmschließlich die ihm angeboteue Stellung am Eonservatorium und die Aperturin der Hvfcapclle an, und die Folge hat gelehrt, daß Hcrbeck keinen Fehlerbegangen hat, indem er seine Berufung nach Wien so eifrig betrieb.
Wie jeder bedeutende Mensch hatte auch Bruckner die bittersten Erfah-rungen zu machen, bevor er seine Stellung in der künstlerische» Welt einiger-maßen befestigen konnte. Brotneid und schlecht verhüllte Gemeinheit benütztenBruckner's künstlerische und persönliche Schwächen, um sic zu Capitalverbrechc»zu stempeln oder doch mindestens ihn in den Augen der Mitwelt lächerlich zumachen. Leute, welche Gott auf den Kniceu danke» könnten, wenn sie im Laufeihres ganzen Lebens so viele ursprüngliche, große musikalische Gedanken zuprodueiren im Stande wären, als Bruckner in einer einzigen Shmphonie ver-schwenderisch offenbart, ucrgeltcn an seinen Schöpfungen geheim und öffentlichund hetzten einen Thcil der Presse gegen ihn auf. Aber, wie allerorten dasBedeutende, wenn auch nach langem Kümpfen, sich endlich Bahn bricht, so istdies jetzt auch bei Bruckner's Compositioncn der Fall.
Herbcck erkannte bei aller Schatzung seines Genies Bruckner's Haupt-fehler: Die osten Wiederholungen der Themata, die eigcuthümlichc Sucht,Gencralpauscn dort anzubriuge», wo eine erklärbare Nothwendigkeit dazu nicht
') Die weiteren Verhandlungen wurden schriftlich geführt. Siehe darüber zwei BriefeHerbcck's dom 10. und 20. Juni 1868, welche von einer besonderen Gcwisscnhaftiglcit desSchreibers zeugen. Anhang S. 78 f.